Nachtreise durch die Museumswelt

Am 12. April 2014 war es wieder so weit: Die Lange Nacht der Museen fand in Hamburg statt. 54 Museen nahmen an der Großveranstaltung teil. Unter dem Hashtag #LNDM14 wurde kräftig getwittert.

Im letzten Jahr nahm ich zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teil, in diesem Jahr war ich definitiv besser vorbereitet. Denn bereits im Vorfeld standen zwei Museen fest, die ich unbedingt sehen wollte: Das HSV-Museum und das electrum – das Museum der Elektrizität.

Punkt 18 Uhr ging es los. Startpunkt war der Kunstverein Harburger Bahnhof. Zig mal bin ich an diesem Bahnhof umgestiegen, ein- oder ausgestiegen. Nun war es an der Zeit die Räumlichkeiten des Kunstvereines unter die Lupe zu nehmen. Der alte Wartesaal der 1. Klasse wurde zum Ausstellungsraum umfunktioniert. Erster WOW-Effekt. Toller Raum, auch wenn mir die Kunst nicht unbedingt zusagte.

Kunstverein Harburger Bahnhof e.V. - ehemaliger Wartesaal der 1. Klasse im Harburger Bahnhof
Kunstverein Harburger Bahnhof e.V. – ehemaliger Wartesaal der 1. Klasse im Harburger Bahnhof

Dann ging die Reise weiter, denn mit dem Ticket zur Langen Nacht konnte der HVV genutzt werden und die extra eingerichteten Buslinien für dieses Event. Der Umstieg vor dem Altonaer Museum wurde sofort genutzt, um kurz in das Museum rein zuspringen. 10 Minuten waren wir drin. Fazit: Tolle Präsentation der Galleonsfiguren!

Mit dem Bus fuhren wir zum HSV-Museum. Harte Kost für jemanden der von Bremen nach Hamburg gezogen ist. Da ich aber kein überzeugter Fan irgendeines Vereines bin, habe ich mich wirklich auf das Museum gefreut. Wie präsentiert man Vereinsgeschichte? Ich finde, das HSV-Museum hat das wunderbar hinbekommen. Ein kleiner Rundgang durch das Museum zeigt eindrücklich die Erfolge des Vereins… Aber noch mehr habe ich mich auf die Stadionführung gefreut! Die war richtig super! Bernd Meyer führte schnell durch das Stadion: Er zeigte uns, wo die Busse ankommen, wie es hinter den Kulissen bei den Pressekonferenzen aussieht und wir machten es uns in der Gästeumkleidekabine gemütlich, bewunderten die riesigen Whirpools für die Spieler und standen dann direkt am Rasen. Dieser Mann wusste alles. Herr Meyer konnte uns die Schuhgröße von Uwe Seeler verraten (42) und ich bin mir sicher, er hätte alle Fragen beantworten können.

Ich gebe zu, durch meinen Stadionbesuch in Dortmund war ich für große Spielstätten vorgewarnt. Aber direkt unten am Feld zu stehen, die Ränge rauf zugucken, einmal dort zu sitzen, wo sonst nur die Trainer sitzen, ich kann es nicht anders beschreiben: Es war cool! (Es hätte aber auch jedes andere Stadion sein können und ich wäre zu tiefst beeindruckt gewesen. Aber in dieser Nacht war es der HSV! SO!)

Weiß jemand zufällig, ob andere Fußball-Museen auch etwas in der Lange Nacht Museen anderer Städte anbieten? Eine Stadionführung kann ich jedem ans Herz legen.

Dann kam die Bus-Tortur quer durch Hamburg: Vom HSV-Museum auf zur Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe. Wir wurden dort sehr herzlich empfangen und ich lernte endlich dieses wunderschöne Haus kennen! Dort dreht sich alles um das kühle Nass. Da es sehr dunkel war, haben wir uns in der Villa und dem Neubau aufgehalten, eins steht fest: Ich muss das noch mal bei Tageslicht sehen und dann den Park erkunden! Es ist zauberhaft!

Nach einer weiteren Ewigkeit des Wartens auf den nächsten Bus düsten wir vorbei an den Deichtorhallen zum Auswanderermuseum BallinStadt. Haus 2 und 3 standen uns offen. Sehr beeindruckend wurde die Auswanderung im Haus 2 dargestellt. (Allerdings musste ich sofort an das Auswandererhaus in Bremerhaven denken – welches Museum ist schöner? Beide haben ihren Charme. Ich persönliche bevorzuge das in Bremerhaven.) Die Sonderausstellung zu den Quiltes im Haus 3 sind wir schnellen Fußes durchschritten. Das Thema interessierte uns nicht sonderlich. Vielmehr war die Zeit schon weit voran geschritten. Die Zeiger aller Uhren zeigten 1 Uhr an. Also ging es zurück nach Harburg, wo die Reise begann.

Denn ich wollte ja noch unbedingt das electrum sehen. Das Museum ist für alle Museumsjunkies ein MUSS!!!! Zufälligerweise kam ich mit Herrn Grimm, einem Angestellten des Museums, ins Gespräch. Dieser Mann ist ein wandelndes Lexikon, ich hätte ihm stundenlang zuhören können, wenn es nicht schon dermaßen spät gewesen wäre. Ich wusste nicht, dass der Designer von Braun für Apple arbeitet – für die Nerds in meiner Runde war das keine Neuigkeit. Das Museum beherbergt lauter skurrile Dinge wie einen elektrischen Austernöffner, elektrische Weinflaschenöffner, eine der ersten Miele-Waschmaschinen (ein Ungetüm!), einen beleuchteten Stopfpilz, damit die Hausfrau auch im Dunklen die Socken stopfen kann! Und wer hat diesen komischen beleuchteten Pilz erfunden? Der Adenauer! Dass er auch ein Erfinder war, hatte ich schon mal gehört, aber dass er so einen Quatsch erfunden hat, war mir neu. Ich hatte Spaß in diesem Museum! Das wird mein neues Lieblingsmuseum und das schöne, es liegt wie das Archäologische Museum direkt in meiner Nachbarschaft!

5 Museen, 8 Stunden, zig Busfahrten und unendliche Wartezeiten später fiel ich zufrieden und todmüde ins Bett. Und wer nicht genug bekommt, kann am nächsten Tag das Ticket für weitere Museumsbesuche nutzen. Ein tolles Angebot! – Mich verschlug es allerdings zum Pflanzenmarkt an den Kiekeberg und ich fragte mich, welches wohl die größere Veranstaltung war. Eine sooooo lange Besucherschlange hatte ich schon lange nicht mehr gesehen, aber dazu mehr im nächsten Blogpost! 🙂

Pflanzenmarkt im Freilichtmuseum am Kiekeberg
Pflanzenmarkt im Freilichtmuseum am Kiekeberg

0 Kommentare zu “Nachtreise durch die Museumswelt

  1. oh wie schön – bei uns in München findet diese lange Nacht der Museen immer im Oktober statt. Viele Grüße, Daniela

  2. Liebe Daniela,

    als ehemalige Münsteranerin kenne ich dieses Veranstaltungsformat auch nur aus dem Herbst. Denn dort findet die Lange Nacht immer am ersten Septemberwochenende statt.

    Viele Grüße
    Wera

  3. Hallo Wera!
    Das war ja eine ausführliche Tour, so viel hab ich bei Museumsnächten noch nie geschafft (aber es ist toll, wenn man für einen Eintritt auch mal nur kurz irgendwo reinschauen kann, sonst denkt man, jetzt muss ich mir auch ALLES anschauen ;-). Das Elektrum kannte ich noch gar nicht, klingt ja spannend.
    Liebe Grüsse,
    Marlene

  4. Liebe Marlene,
    dahinter steckte ein Masterplan, den meine Gruppe mal eben entwickelt hatte. 😀 Hätte man nicht ewig auf den Bus warten müssen, hätte man noch ein weiteres Museum einbauen können. Aber so war es auch genug. Irgendwann geht auch nichts mehr. So ein Abend ist ja im Endeffekt nur ein kleiner „Schnupperkurs“, der Lust auf mehr machen soll. Ins electrum gehe ich mit Sicherheit noch mal und nach Kaltehofe fahre ich, wenn es warm und hell ist. Ich hab in der Langen Nacht Museen gesehen, die ich mir sonst nicht angeguckt hätte. Es hat Spaß gemacht! 🙂
    LG, Wera

  5. Ein schöner Bericht über die Tour durch die Nacht.
    Übrigens lässt sich ein Tagesbesuch auf Kaltehofe auch ganz wunderbar mit einem Besuch des Wasserforums in Rothenburgsort verbinden. Die beiden Ausstellungen stehen thematisch in Beziehung und lassen sich auch zeitlich gut vereinbaren.
    Danach weiß man alles über Wasser.

    Viele Grüße
    Sascha

  6. Hallo Sascha,

    ja, das werde ich dann mal machen. Danke für den Tipp! Ich hatte das auch in der #lndm14 gesehen, aber dafür war leider keine Zeit mehr. 😀
    Im Sommer ist das aber mit Sicherheit ein tolles Thema.

    Viele Grüße
    Wera

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