Fotos in Museen

Eine kleine Leidensgeschichte….

Foto aus einem Museum

Nachdem Anke das Thema „MUSEUMSELFIES – EINLADUNG ZUR FELDFORSCHUNG“ in ihrem Blog angesprochen hat und Michelle dies noch unter dem Titel „#MuseumSelfies, Fotografierverbote und das Urheberrecht“ erweitert hat, hätte ich weinen können und ich schrieb einen verdammt langen Kommentar zu Michelles Blogpost. Ich gebe zu, ich hatte das ursprünglich auch mal als eigenen Beitrag hier angedacht, aber heute überkam es mich dann spontan, weil so viele darüber berichtet haben.

Darum an dieser Stelle noch mal der etwas längere Kommentar:

Liebe Michelle,

oh, Du sprichst mir so sehr aus der Seele. Ich hatte auch kurz überlegt, einen Blogbeitrag zu diesem Thema zu schreiben, einfach, weil es mich so annervt und nicht nur meine Arbeit im Museum sondern auch meinen privaten Blog betrifft. Darum hatte ich vorgehabt, es mir von der Seele zu schreiben. Aber ich kann ja auch hier kommentieren.

Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich einen wunderschönen Blogbeitrag fix und fertig hatte, sondern mittlerweile mehrfach. Ein Beitrag über eine wirklich tolle Ausstellung oder ein schönes Museum – mit tollen Fotos, die das ganze anschaulich gestalteten. In letzter Sekunde bevor ich auf den Button “veröffentlichen” drückte, kam mir wieder plötzlich der Gedanke: Moment mal! Wie ist das eigentlich mit den Bildrechten bzw. durfte ich das Kunstwerk überhaupt ablichten?

Panik bricht in mir aus. Denn ich hatte schon Fotos bei Twitter und Instagram veröffentlicht. Schnell fragte ich in dem Museum nach und wie erwartet, wurde meine Angst geschürt: Nein, es darf kein Bild im Blog veröffentlicht werden. Erster Gedanke: Ach du liebe Güte, was hast Du getan. – Löschen! Sofort alles löschen. (Natürlich quatsch, weil es schon viel zu spät war.) Egal, alle Tweets, alle Bilder löschen.

Traurig starre ich auf meinen fertigen Blogbeitrag. Er ist so wunderschön. Ich würde ihn so gern veröffentlichen. Ich werde wehmütig und gleichzeitig stocksauer. Was soll ich tun? Ich bin meistens so angenervt, dass ich alles lösche. Aber in diesem Fall? Ich machte mir die Mühe und fragte mich weiter durch (Galerie, Galerie fragt dann Künstler)… nun warte ich. Warte sehnsüchtigst, dass ich den Beitrag veröffentlichen darf. – Ich warte schon seit zwei Wochen!!! Gerade beginnt meine Laune zu kippen. Fragen kommen auf: War die Ausstellung wirklich SO gut, dass sich dieser Aufwand lohnt? Ich könnte ja einen neuen Beitrag schreiben und die Ausstellung durch den Kakao ziehen, bzw. mich lediglich auf die negativen Aspekte beschränken. Will ich das? Eigentlich nicht.

Abschließend kann ich nur sagen, wenn mir das schon so geht – wie geht es denn dann bitte erst Bloggern, die täglich schreiben oder gar davon leben? – Aus Museumssicht: Hörst Du jetzt ein ganz lautes Seuftzen aus dem Norden! Die Rechtslage ist eindeutig und trotzdem denke ich mir, Museen sollten/müssen ihre Sammlungen öffnen in welcher Form auch immer.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, dann bin ich auch wieder direkt bei meinem Thema “Pressebilder” angekommen: Warum gibt es auf Homepages von Museen Presseseiten mit Passwörtern? (https://www.kulturundkunst.org/2014/12/12/seminar-grundlagen-pressearbeit/)

Fotos und Bilder… ein Thema, das mich mehr und mehr nervt. Ich würde viel mehr Fotos aus Museen posten, viel mehr darüber schreiben, aber oft sind mir die Hände gebunden. Ich gucke mir sehr viele Ausstellungen an, auf meinem Blog landet nur ein Bruchteil – oft: weil ich die Fotos nicht verwenden darf.

Schade, für Blogger und die Museen. Kostengünstigere Werbung für eine Kultureinrichtung kann es doch nicht geben. Mich macht es oft traurig. Und dann denke ich an die Menschen, die nicht in der luxuriösen Situation sind, öfter ins Museum gehen können, einfach, weil sie es sich nicht leisten können. Ihnen bleibt unser kulturelles Erbe vorenthalten.

Ok, ich höre jetzt auf, wie Du siehst, es wäre ein eigener Blogeintrag gewesen. Evtl. kopiere ich mir meinen Kommentar noch mal. 😉

Liebe Grüße
Wera

Geschrieben, getan.

PS: Guck ich halt Kunst im Deichkind-Video. So! Muss ja auch mal sein. 😉
Gedreht wurde in der Hamburger Kunsthalle.

0 Kommentare zu “Fotos in Museen

  1. Tja, da sprichst du mir aus der Seele. Ich habe zwar mit meinen Graffiti-Bildern weniger Probleme mit dem Urheberrecht, aber ich bin ja auch ansonsten interessiert an Kunst. Und gerne würde ich auch über Ausstellungen oder Musseen berichten, aber die Rechtslage ist da ja schwierig. Verstehen kann ich es nicht, zumal wenn man eindeutig keine gewerblichen Absichten hat, dann ist das doch beste Werbung für das Museum und für die Künstler. Zumal es ja durchaus Museen gibt, die auch Blogger zu speziellen Presseevents einladen…
    Da ich auch in einem Museum oft den fotografischen Blick suche und selten das Kunstwerk reproduzieren will, sind meine Museumsbilder eher „Kunst in Architektur“, dies gemischt mit vom Museum zur Verfügung gestellten Pressebildern und dem Werbeplakat zur Ausstellung müsste doch gehen…
    Spannendes Thema. Gerne würde ich mehr darüber lesen.
    Grüße.
    Jörg

    • Lieber Jörg,
      ja, genau das ist es. Es stehen keine gewerblichen Absichten dahinter, viel mehr macht man kostenlose Werbung für das Museum. – Da stellt sich irgendwann schon die Frage, wie lange das mit der Rechtslage noch so andauert.
      Vielleicht machen Anke und Michelle eine Session auf dem stARTcamp in Münster dazu – ich würde mich sehr freuen und daran teilnehmen.
      Viele Grüße
      Wera

  2. Bei den Museen, die du öfter besuchst, würde es sich doch vielleicht lohnen, nach dem Zugang zum Pressematerial zu fragen oder? Dann könntest du die für deine Blogeinträge nutzen. Klar, es sind nicht deine eigenen Fotos, die vielleicht nochmal einen anderen Blick auf die Ausstellung hätten werfen können, aber mit „fremden“ Fotos kannst du immerhin deinen Text veröffentlichen, in den du ja auch viel Zeit und Mühe investiert hast.

    • Ja, manchmal mache ich das auch tatsächlich. Von 2-5 Museen besitze ich die Zugangsdaten, aber ich lege mir doch keine eigene Exceltabelle nur dafür an. Und ich frage mich dann, was ist mit Journalisten? Wird es denen auch so schwer gemacht? Kulturjournalisten schreiben ja über zig Themen – die können sich doch nicht 1000 Zugänge notieren.

      Es ist ein kompliziertes Thema, an dem so viele verschiedene Gruppen beteiligt sind.

  3. Das kann ich nachvollziehen…am meisten nervt es mich, wenn ich anrufe, frage ob ich fotografieren darf und dann heißt es vor Ort-ne doch nicht! Aha und dafür hab ich jetzt die ganzen Sachen mitgeschleppt, danke- ich laufe gern mit schweren Rucksäcken rum…

    • Das ist ein Albtraum! Man schleppt natürlich gern seinen total leichten Rucksack mit mind. 4 Objektiven etc. mit sich herum. Ich suche ja auch noch die kleine Handtasche für das Equipment, habe aber noch keine gefunden.

  4. cupofcoffeede

    Einer der Gründe, warum ich so wenig über Museen blogge, obwohl ich häufig welche besuche, oder mich im Zweifelsfalle mit einem Außenbild des Gebäudes begnüge. Ich überlege, ob sich der Aufwand lohnt, erst einmal eine Genehmigung zu holen.
    In Hamburg habe ich allerdings diesbezüglich immer positive Erfahrungen machen dürfen.

    Eine Ausnahme ist *natürlich* wieder einmal „das-Museum-das-alles-anders-macht“ und damit unglaublich erfolgreich ist:
    http://www.miniatur-wunderland.de/besuch/service/foto-film/

    Vielleicht sollten sich andere Häuser da mal ähnliche Strategien überlegen und zumindest für nicht kommerzielle Blogs Regelungen schaffen (und auch publizieren). Mir ist natürlich klar, dass das je nach Sammlung unterschiedlich zu betrachten ist. Unterm Strich dürfte der Nutzen aber deutlich höher sein, als der „Schaden“.

    Also Museums-PR-Leute, macht euch mal Gedanken, ob und wie sich eine unkomplizierte Regelung für eure Sammlungen umsetzen lässt!!! 😉

    • *seuftz*

      Ja, das MuWuLa, das Land der Träume, ein PR-Paradies. Die machen das so gut. Ich bin manchmal sehr neidisch. Aber diese Ladestation ist der Hammer!!!! Das hab ich noch gar nicht gesehen.
      Wobei ich immer wieder über deren Layout der Homepage schmunzeln muss.

      Trotzdem: Ich muss da auch mal hin. Ist jetzt in direkter Nachbarschaft und ich war noch nicht da. Unglaublich.

      Solltest Du mal ins Maritime Museum (Fotos machen, twittern, instagrammen <- ? oder bloggen) wollen, meld Dich gern vorher bei mir. 😉 Ich sehe meinen Job als Social Media Manager nicht nur darin, für Content zu sorgen und zu streuen, sondern auch als Ansprechpartner zu dienen.

      • cupofcoffeede

        Hallo Wera,
        die Ladestation hat mir schon mehrfach gute Dienste geleistet. Was pragmatische Lösungen für Besucher-Problemchen betrifft, sind die Wunderländer unschlagbar…

        Die Homepage sieht mittlerweile etwas tatsächlich angestaubt aus, ist aber, was Information und Interaktion betrifft, noch immer vielen anderen Auftritten ein ganzes Stück voraus (Wartezeitenprognose, Reservierungssystem, Shop, Forum, etc..). Für 2015 ist wohl eine neue Version geplant. Mal sehen, wann der online geht.

        Übrigens war ich im September tatsächlich bei euch im Hause. Im Rahmen des jährlichen Wunderland Forentreffens haben wir ein paar Stunden lang eure tolle Ausstellung bewundert. Allerdings war ich auch damals zu faul, mir nachträglich noch eine Genehmigung für die Fotos zu holen. Evtl. melde ich mich dazu noch mal bei euch.

        Generell leuchtet es mir natürlich ein, dass jedes Haus je nach Sammlung eine eigene Regelung zum Thema Fotografie und Veröffentlichung finden muss. Besonders, sobald auch Rechte Dritter im Spiel sind, wird die Sache dann auch echt knifflig. Es wäre aber schön, wenn die Museumsbetriebe sich nun langsam tatsächlich auf das Thema einstellen und für ihre Ausstellungen einfache, verbindliche Regelungen aufstellen und auch auf ihren Webseiten publik machen. Damit wäre schon viel erreicht.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: