„Belle Haleine – Der Duft der Kunst“

… oder „Steck Deine Nase nicht in Dinge, von denen Du nichts verstehst“.
5 Sinne – zu jedem Sinn eine eigene Ausstellung. Den Auftakt macht die Ausstellung „Belle Haleine – Der Duft der Kunst“ und legt den Fokus auf den Geruchssinn.

Eine fantastische Idee! Umgesetzt wird diese vom Museum Tinguely. Ein Name, den ich bislang noch nicht gehört hatte. Im Rahmen der Bloggerreise #bsgauguinreise15 lernte ich das Museum kurz kennen und es hat mich regelrecht umgehauen.

„Nur Brom stinkt“, sagte einst mein Chemielehrer. Dieser Satz hängt mir nach zig Jahren noch in den Ohren. Seit meinem Besuch der Ausstellung „Belle Haleine – Der Duft der Kunst“ bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher. Die Ausstellung ist intensiv, geht unter die Haut und in die Nase, was das wunderbare Ausstellungsplakat eindrücklich widerspiegelt.

Belle Haleine - Der Duft der Kunst - Museum Tinguely

Aber um was geht es eigentlich in der Ausstellung? „Belle Haleine – Der Duft der Kunst“ ist eine Gruppenausstellung von über 35 Künstlerinnen und Künstlern. Im Mittelpunkt steht der Geruch. Als ich das hörte, musste ich sofort an Arbeiten von Dieter Roth denken. Kommt man den Objekten zu nahe, riecht man unweigerlich die Vergänglichkeit der Objekte.

Die Arbeit von Sissel Tolaas hat mich in der Ausstellung jedoch am meisten verstört und zugleich beeindruckt. Als „Unsichtbare Portraits“ werden ihre Arbeiten bezeichnet. So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber es stimmt. Man erhält Geruchportraits von Menschen, um genau zu sein, erschnuppern Besuch den Angstschweiß von Männern. „The FEAR of smell“ heißt das Werk in der Sonderausstellung und was man dann erlebt, kann man nicht wirklich in Worte fassen. Ich kann dazu lediglich Grimassen ziehen, die alle sehr unterhaltsam fanden.

Das Video vom Museum Tinguely zeigt in kleinen Interviews von der Kuratorin, vom Direktor und Künstlern, worum es in der Ausstellung geht:

 

Ich gucke mir eher selten Videos bei YouTube an, aber ich habe dieses sehr genossen.

Es gibt Sachen, die kann man ausblenden; wenn man etwas nicht sehen will, schließt man die Augen. Wenn man etwas nicht fühlen will, behält man schön die Hände bei sich. Gegen Geruch kann sich die Nase zuhalten, aber wenn intensiver Geruch so plötzlich und dominant den Raum einnimmt, dann ist es schon zu spät. Man hat den Geruch in der Nase und kann sich nicht mehr dagegen wehren. Gerüche sind sehr eng mit unserem Erinnerungsvermögen verbunden. Springkraut! Kennt das jemand? Weiß jemand wie das riecht? Ich rieche es sofort. Da kann es der schönste Tannenwald sein mit dem wunderbaren, intensiven Duft von Tannen, den man sich vorstellen kann, aber Springkraut rieche ich raus und sofort habe ich einen ganz bestimmten Garten und ein ganz bestimmtes Blumenbeet vor Augen. Das ist total verrückt, aber es ist so stark mit meinen Erinnerungen verknüpft, das ich nichts dagegen tun kann. Ähnlich wird es mir jetzt mit dieser Ausstellung gehen: Angstschweiß und Nelkenduft werden mich immer an diese Ausstellung, die spontane Führung des Direktors und die tollen Blogger erinnern. Den Gang durch die Ausstellung habe ich noch lebhaft vor Augen. (Gleichzeitig eine super Marketing-Strategie. 😉 )

Anschließend ging es noch zur Pheromon-Party (es war ja auch Valentinstag und so konnte man sich sein Valentin erschnuppern). Aber was genau ist eine Pheromonen-Party?
Jeder brachte ein getragenes Shirt von sich mit, dies wurde in eine Tüte gepackt. Die Tüte bekam eine Nummer und wurde an die Wand zu zig anderen Tüten gehängt. Dann konnte man sich durch die T-Shirt-Tüten durchschnuppern. Man wusste also nicht, ob es ein Shirt von einer weiblichen oder einer männlichen Person war. Es ging rein nach Geruch. Befand man einen Geruch für toll, nahm man die Tüte samt Shirt und Nummer mit und ließ sich fotografieren. Die Fotos wurden an einer großen Wand aufgehängt und man konnte gucken, wem sein Duft gefiel. In der Schweiz war dies die erste Pheromonen-Party. Dieses Dating-Format gibt es schon länger, für Museen ist es noch relativ neu.

Irgendwann in der Nacht betrat ich völlig erledigt vom Tag das Hotelzimmer, ich hatte nur noch einen Wunsch: Duschen! Ich musste den Geruch loswerden. Ich stand ewig unter der Dusche und brauchte das gesamte Duschgel auf, das ich dort finden konnte. Meine Klamotten verstaut ich weit hinten im Schrank und ich sank glücklich und zufrieden in das wunderbare große Bett. Nein, die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Am nächsten Morgen fragte mich Angelika von Musermeku, ob ich den Gestank nicht auch die ganze Nacht gerochen hätte. Ich verneinte. Sie fragte mich dann, ob ich mir die Pressemappe vom Museum Tinguely angeguckt hätte. Ne, hatte ich natürlich nicht, gebe ich ja zu. Sie meinte nur, dass ich sie dann besser zulassen sollte. Okeeee…. Verwirrung. DUFTKARTEN! Ja, in der Pressemappe waren Duftkarten der Ausstellung.

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Sie liegen noch immer auf meinen Schreibtisch. Wenn man ihnen nicht zu nahe kommt und sie nicht berührt, ist alles gut. Aber so bald man sie in der Hand hält, ist es zu spät und ich befinde mich wieder im Raum von Sissel Tolaas. Unglaublich. Und ich spüre das Schmunzeln von allen hinter meinem Rücken, wie sie mir dabei zusehen, wie ich meine Nase regelrecht in die Wand stecke. Ich stecke meine Nase folglich in Dinge, von denen ich überhaupt nichts verstehe, aber es hat Spaß gemacht. Macht Euch also nur lustig über mich, ich habe die Ausstellung sehr genossen – wenn auch mit vielen Grimassen! 😀

Das Museum Tinguely werde ich definitiv im Auge behalten und gespannt die kommenden Ausstellungen verfolgen! Was sie sich wohl für die anderen Sinnesausstellungen einfallen lassen… Ich bin neugierig und kann die Ausstellung nur empfehlen.

Und jetzt meine Lieblingsfrage: Lohnt sich das? 😉

1. Kunst lohnt sich immer. (Die Antwortet solltet ihr jetzt kennen.)
2. Eine intensive Ausstellung, die man so schnell nicht vergisst.
3. Wer geruchsempfindlich ist, sollte sie wohl eher meiden.

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlaage 2
4002 Basel
Schweiz

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
11 bis 18 Uhr

Eintritt
Erwachsene: 18 CHF
Ermäßigt: 12 CHF

0 Kommentare zu “„Belle Haleine – Der Duft der Kunst“

  1. Danke. Für diese Ausstellung sollte ich 2 Tage früher als geplant zur zur ArtBasel anreisen.

    • Wenn Du nicht geruchsempfindlich bist, auf jeden Fall!!! 🙂
      Für mich war Basel #Museumsneuland und ich war über die vielen tollen Museen überrascht!

      • Das Tinguely Museum ist nicht nur auf Grund seiner wechselnden Ausstellungen immer ein Besuch wert. Diesmal habe ich mir auch noch Fondation Beyele vorgenommen. Danke für deinen Tipp, ich werde umplanen

        • Sehr gern! Die Werke von Paul Gauguin sind halt eine Augenweide. Ich fand es dort toll und das ist völlig unabhängig davon, ob mir die Reise bezahlt wurde oder nicht. Aber stell dich auf Wartezeiten ein!!!! Es war dort unglaublich voll (an einem Samstag).

  2. Was für eine spannende Ausstellung(sidee) – vielen Dank für die Vorstellung! Selbst werde ich mir diese Ausstellung vermutlich nicht antun (Ziff. 3.), aber das Tinguely Museum behalte ich im Blick!

  3. Pingback: Auf die (Duft-) Probe gestellt – Belle Haleine im Museum Tinguely | MusErMeKu

  4. Liebe Wera,

    jetzt muss ich es genau wissen und nochmal nachfragen – natürlich zur Installation „The FEAR of Smell“: Wie hast du den Geruch im Raum allgemein wahrgenommen? Und was hat dich dazu bewogen, an den Wänden zu reiben? Hat sich dann der Geruch für dich verändert? Hast du an verschiedenen Wandabschnitten, die ja je dem Geruch einer Person zugeordnet waren, gerieben – und hast du dann einen anderen Geruch wahrgenommen, je nach Wandabschnitt?

    Ich bin da sehr neugierig, weil ich mit Tanja Neumann ja respektvollen Abstand von den Wänden in der Installation gehalten habe… Genau genommen, habe ich mich ja dem Kunstwerk verweigert! 😉
    Daher meine Frage: Wie war es, wenn man der Intention der Künstlerin gefolgt ist?

    Viele Grüße
    Angelika

  5. Liebe Wera, liebe Angelika,
    da spiele ich natürlich sofort Mäuschen – das würde ich auch zu gerne wissen!

  6. Liebe Angelika, liebe Tanja,

    der Geruch in dem Raum war dermaßen intensiv, ich konnte es noch nicht mal zuordnen, geschweige denn mit irgendetwas vergleichen, was ich schon gerochen haben könnte. In Anbetracht der Tatsache, dass das gesamte Museum irgendwie einen intensiven Geruch inne hatte, fand ich es ab einem gewissen Zeitpunkt schwer, Gerüche zu differenzieren.
    Wenn ich mich aber auf so etwas einlasse, dann mache ich es auch gründlich. Ich war quasi gezwungen an den Wänden zu reiben, um dann den „Duft“ einzuatmen. Ja, der Geruch hat sich von Abschnitt zu abschnitt verändert, irgendwie war er auch ähnlich, aber insgesamt echt ekelhaft. Ich weiß nicht, wie die Künstlerin das aushält…

    Als ich den Raum verließ musste ich mich selbst abschnuppern, um irgendetwas neutrales zu riechen. Aber ich konnte mich selbst kaum riechen, weil alles um mich herum so intensiv war. Der Direktor hat sich über mich schon halb schlapp gelacht und führte uns zu einem anderen Objekt, um „die Nase frei zu kriegen“. Ich weiß leider nicht mehr, von wem das Objekt war, es so aus wie eine Butterdose aus Keramik. Sie hing unscheinbar an einer Wand. Er forderte mich auf, den Deckel abzunehmen und eine Prise zu nehmen. Ich tippe ja auf Buttersäure (allein wegen des schlechten Scherzes hoffe ich es ja). 😉

    Danach hätte ich echt abkotzen können. Anders kann ich es nicht beschreiben. Der Gedanke, dass es ja nun nicht schlimmer werden konnte, und pure Neugier ließen mich weiter durch die Ausstellung ziehen.

    Die Installation von Ernesto Neto „While nothing happens“ sah so wunderschön aus!
    Bilder gibt es ja bei Dir, Tanja, auf dem Blog: http://www.museumstraum.de/2015/02/28/pheromone-und-einzigartiges-raumgefuehl/
    Rein geruchstechnisch war sie nicht ganz so schrecklich, aber der Nelkenduft war sehr dominant in der Gewürzmischung. Ich mag ihn schon nicht in meinem Gewürzregal. Ein Blick auf die schönen Blüten von Valeska Soares halfen da auch nicht mehr.

    In der Ausstellung gab es keinen einzigen angenehmen Duft! Damit das mal ganz klar gesagt ist. Man musste sich mit dem Gerüchen auseinandersetzen. Aber aufgrund dessen werde ich die Ausstellung wohl nicht so schnell vergessen. 🙂

    Liebe Grüße
    Wera

    • Liebe Wera,

      auf jeden Fall Respekt dafür, dass du dich auf die Installation eingelassen hast!

      Im Vorfeld der Ausstellung hatte ich auch etwas anderes erwartet – wahrscheinlich hatte ich den „Duft der Kunst“ eher als Konzept im Sinn. Dass es tatsächlich in der Ausstellung nichts gibt, was angenehm riecht, stimmt in gewisser Weise – immerhin gibt es auch Exponate, die keinen eigenen Duft haben. Da alle Räume aber von einer Duftwolke umhüllt sind, hilft das auch nicht wirklich… 😉

      Viele Grüße
      Angelika

  7. Pingback: Paul Gauguin – eine Ausstellung im Netz | kultur und kunst

  8. Pingback: Bloggerreise nach Basel - Paul Gauguin und Belle Haleine #bsgauguinreise15 -1

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