#entdeckebraunschweig | Per Express in den Himmel

Würdest Du nach Braunschweig ziehen?

Eine Bloggerreise nach Braunschweig und Magdeburg. Viele mögen vielleicht jetzt schon aufhören zu lesen. Diese beiden Städte sind selten von Interesse und ich kenne auch niemanden, der die Städte an sich besucht hat. Ein Fehler – wie ich finde. Vor über 10 Jahren war ich mal in Magdeburg, aber das ist nicht mehr mit dem heutigen Zustand der Stadt zu vergleichen. Braunschweig war für mich absolutes Neuland. Ich hatte also keinen blassen Schimmer, was mich erwartete, ich war umso überraschter…

Wenn es um Städte geht und wie ich sie finde, stelle ich mir immer folgende Frage: Kannst Du Dir vorstellen hier zu wohnen? Ich finde diese Frage schöner als die Frage „Wie fandest Du es?“, denn sie ist persönlicher und man muss sich mehr mit der Stadt auseinandersetzen.

Ich war leider nur einen Tag lang in Braunschweig und das macht es natürlich noch schwieriger eine Stadt und das gesamte Drumherum zu beurteilen, aber was ich an diesem Tag erleben durfte und was ich gesehen habe, reicht aus um zu sagen: Eine fantastische Stadt! Braunschweig ist super und hat alle Erwartungen übertroffen und ja, ich würde sofort hinziehen.

Ich wusste wirklich nicht, dass Braunschweig – im Vergleich zu anderen Städten – noch so viel Fachwerk hat, so viele historische Gebäude, so viele schöne kleine Straßen, Gassen, Marktplätze, Rathäuser (!), Geschäfte, Geschichte und und und. Ich bin hin und weg von der Stadt und total entzückt. Aber beginnen wir mit der Führung durch das Landesmuseum, die wir mit Frau Wendt hatten. Schnell zeigte sich, dass der Name Bugenhagen von großer Bedeutung in Braunschweig war. Aber wer war das überhaupt?

Bugenhagen

Wer zum Teufel…? (Tja, im wahrsten Sinne kann man diese Frage stellen.) Kaum jemand kennt diesen Mann. Aber er ist eine SEHR wichtige Person in der deutschen Geschichte. Um genau zu sein, war Johannes Bugenhagen einer der wichtigsten Weggefährten von Martin Luther. Er war sein Beichtvater und traute Martin Luther mit Katharina von Bora, er vollzog die Taufe ihrer Kinder und nun vielleicht der wichtigste Aspekt: er schrieb die Kirchenordnung – in Braunschweig. Dieses wurde wichtig für den gesamten Norden! (Auch in Dänemark.) Sein Wikipedia Artikel ist unfassbar lang, den kann man gar nicht kürzen. Wir wurden zudem mit Informationen rund um die Reformation im Rahmen der Ausstellung “Im Aufbruch. Reformation 1517 – 1617” in Braunschweig versorgt. In einem wilden und sehr kurzweiligem Ritt durch die Reformationsgeschichte – dank Frau Ulrike Wendt im Braunschweigischen Landesmuseum – wurde uns vor Augen geführt, wie wichtig Braunschweig für die Reformation war bzw. wie sehr diese Bürger für ihren neuen Glauben gekämpft haben. 5 kleine Städte und ein Fürst machten dieses Fleckchen Erde aus. Die Bürger vom neuen Glauben überzeugt, rebellierten regelrecht gegen ihren Landesherren, der seinen Sitz in Braunschweig verließ und nach Wolfenbüttel zog. Es war mächtig was los in Braunschweig!

Ok, ich gebe die kurzweilige Expressführung aus dem Landesmuseum noch mal fix wieder, weil es wirklich witzig war.

Der Zeitgeist des 15. Jahrhunderts

Das Leben ist kurz, der Tod allgegenwärtig. Es stellt sich die Frage, was passiert danach?
Die Kirche gibt selbstverständlich Antworten. Die Seele steigt empor. War man ein guter Mensch, ging es quasi per Express in den Himmel. War man ein schlechter Mensch kam man ebenso schnell in die Hölle. Aber worin bestand die “Grauzone”, wenn man weder richtig gut, noch richtig böse war? Man kam ins Fegefeuer. Und keiner wusste, wie lang man dort bleiben musste. Wie lang musste eine Seele gereinigt werden, um anschließend in den Himmel zu kommen?
Die Lösung wurde bereits zu Lebzeiten angeboten, sie hieß: Ablass. Diesen gab es in verschiedenen Formen: Ablassbriefe, Pilgerfahrten, Gebete… Die Angebote für das Seelenheil waren groß. Ein reiner Ablassbrief war wirkungslos, man musste auch Reue zeigen. Aber wie war das machbar?
Natürlich gab es auch noch kritische Stimmen, die all dem nicht positiv gegenüberstanden. Betrüger waren an der Tagesordnung. Man kann sagen, es gab unruhige Zeiten.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Karl V, dachte groß, seine Sorgen waren internationaler Art, um es salopp auszudrücken. Er führte zig Kriege und war dadurch ein wenig abgelenkt und konnte die Reformation im eigenen Land nicht aufhalten (eine Koexistenz der verschiedenen Konfessionen wurde im Augsburger Religionsfrieden festgehalten).
Luthers Ideen hingegen verbreiteten sich schnell, zugute kam ihm der Buchdruck. Er wollte, dass die Menschen die Bibel lasen und darüber redeten. Dies war ursprünglich nur den Klerikern vorbehalten. Luther war also mutig, er verstieß gegen zig Regeln der bestehenden katholischen Kirche. Seine Vorgehensweise hatte enorme politische Sprengkraft, wie uns erklärt wurde.
In Braunschweig zeigte sich dies sehr deutlich im Laufe der Geschichte: Die Bürgerschaft sorgte mächtig für Unordnung und Unruhe. Die Bürger lagen mit den Stadträten im Streit. (Dies war nicht nur in Braunschweig so.) Sie waren bereits alle reformiert, nur der Landesherr nicht… Was tun? Irgendwie musste man sich einigen – und dies zeigt die Geschichte im Museum.

Eine weitere kleine Geschichte am Rande, die uns Frau Wendt noch kurz mitteilte, ging um Heinrich und seinen Sohn Julius, die das Land regierten. Heinrich hatte drei Söhne, dummerweise starben die beiden Älteren im Krieg (einer von ihnen sollte auf jeden Fall sein Nachfolger werden), also wurde der Jüngste Thronfolger. Dieser sollte ursprünglich Kleriker werden, zudem war er auch noch Anhänger des neuen Glaubens. Eine vertrackte Sache… Letztendlich war Julius der eigentliche Reformator der Stadt, der dritte Sohn in der Thronfolge.
Heinrich hatte im Laufe seines Lebens aber auch noch ein paar private Sorgen. (Achtung: Ironie) Er war nämlich nicht von schlechten Eltern, er hatte neben seiner Gattin noch eine Geliebte, diese ließ er offiziell sterben, da es sich nicht gehörte. Tatsächlich lebte aber auf einer Burg mit ihr und sie hatten 10 gemeinsame Kinder…

#Museum | Braunschweigisches Landesmuseum
#Ausstellung | Im Aufbruch. Reformation 1517-1617
#Bis | 19. November 2017

Neben der tollen Führung durch die Sonderausstellung im Landesmuseum gab es anschließend noch eine Stadtführung. Dort gab uns Frau Ilse Geiler den Rest. Früher floss die Oker mitten durch Braunschweig. Diese führt weiterhin unter der Stadt durch, jedoch scheint dies nur noch ein Rinnsal zu sein, unter der Münzstraße gibt es nämlich einen Tunnel mit einem “Restgewässer”, ansonsten wird das Wasser in den Umflutgraben umgeleitet. Im Sommer muss es in Braunschweig ziemlich schön sein, denn die Stadt ist umgeben von Wasser.

Die Stadtführung bei Frau Geiler war fantastisch, sie liebt ihre Stadt und konnte – zumindest mir – viel beibringen. Die Stadtgeschichte ist sehr umfangreich und auch hier fiel immer wieder der Name Bugenhagen. Dieser Name ist so eng mit der Stadtgeschichte verbunden, dass wohl jeder Braunschweiger diesen Namen kennt (oder zumindest kennen sollte).

Weiter Hardfacts

  • Braunschweig bestand damals aus 5 kleinen Stadtteilen. Sie umschlossen das Herzogtum.
  • Das RIPTIDE gibt es nun seit 10 Jahren in Braunschweig (Café und Plattenladen).
  • James Rizzi durfte in Braunschweig ein Haus gestalten.
  • In Braunschweig steht die größte Quadriga in Europa!
  • Till Eulenspiegel ist vermutlich ein Braunschweiger.
  • Die Modekette “New Yorker” hat den Hauptsitz in Braunschweig.
  • Ebenso bekannt ist der Name Borek (Briefmarken- und Münzhandel).
  • Hier wurde zum ersten Mal Fußball gespielt! 1874 organisierte der Gymnasiallehrer Konrad Koch das erste Spiel auf deutschem Boden. (Dresdner behaupten da etwas anderes, hab ich gelesen. ;)) Natürlich mussten wir uns das Martino-Katharineum (die Schule) ansehen.
  • Die Stadt wurde 1031 das erste Mal urkundlich erwähnt (Weiheurkunde der Magnikirche).
  • Die ersten Taufen gab es im Magniviertel.
  • Woher kommt der Name „Braunschweig“? Seit dem 10. Jh. lebten dort die Brunonen, erklärte uns Frau Geiler, dann kommt noch das Kürzel -wik dazu, macht Brunswik oder auch Braunschweig.

Impressionen aus Braunschweig

In den Bildunterschriften findet Ihr zum Teil noch weitere Erklärungen oder kleine Geschichten, die mir widerfahren sind, es war einfach zu viel für einen Blogpost. Darum wird es für Magdeburg selbstverständlich einen eigenen Blogpost geben und zum Thema „Lifestyle“ ebenfalls noch einen weiteren. Aber erstmal muss dieser fertig werden… ;D

Herzlichen Dank für die Einladung zur Bloggerreise und die tolle Organisation an Maria Stenzel von der Braunschweig Stadtmarketing GmbH und Karolina Shlyapin von der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH. Es hat mich sehr gefreut Euch und die anderen Blogger kennenzulernen. Ich werde mit Sicherheit diese Städte erneut besuchen.

5 Kommentare zu “#entdeckebraunschweig | Per Express in den Himmel

  1. Ich habe Braunschweig im Dezember 2014 besucht. Besonders der Dom mit den Fresken hat mir sehr gut gefallen. Ich habe über das Bildprogramm eine Hausarbeit geschrieben.
    https://susannehaun.com/2014/12/18/der-braunschweiger-dom-bericht-von-susanne-haun/
    Viele Grüße von Susanne

  2. Pingback: Von Braunschweig in die #ottostadt | kultur und kunst

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