Von Braunschweig in die #ottostadt

Würdest Du nach Magdeburg ziehen?

Wie ich in meinem letzten Blogpost schon angedeutet habe, folgt natürlich noch ein zweiter Beitrag über die Stadt Magdeburg. Denn die Bloggerreise (vom 15. bis 16. September 2017) führte uns in diese wunderbaren Partnerstädte. Meine Begeisterung bezüglich Braunschweig ist immer noch grenzenlos und ich nerve wohl mittlerweile jeden damit. Aber Magdeburg?

Ich war vor ca. 10 Jahren dort – und an was kann ich mich eigentlich noch erinnern?

Es gab einen Dom, eine Ausstellung (an die ich mich kaum erinnere), das Hundertwasserhaus und ein Hotel in einem schmalen Haus in der ersten Etage. Die Fahrt mit Auto nach Magdeburg war mäßig. Breite Straßen, eine Tankstelle, schlechtes Wetter und das war es auch schon. Wenn ich ehrlich bin, an viel kann ich mich nicht erinnern, es war eine dunkle Jahreszeit und so war für mich alles irgendwie dunkel.

10 Jahre später – wie sieht Magdeburg heute aus und auch hier stellt sich mir die Frage: Würdest Du nach Magdeburg ziehen?

Vor 10 Jahren wäre ich vermutlich allein bei der Frage schon tot umgefallen. Heute muss ich schmunzeln, denn die Stadt, in der ich mal war, gibt es nicht mehr. Magdeburg hat sich komplett neu erfunden und das auf eine ganz bezaubernde Art und Weise. Denn wie auch Hamburg liegt Magdeburg an der Elbe. Ein ganz großer Pluspunkt! Von Plattenbau war nun weit und breit in der Stadt keine Sicht, man hat einfach alles dem Erdboden gleich gemacht und neu gebaut. BÄM! So einfach geht das. Aber beginnen wir nun vorn. Wie ging die Reise von Braunschweig nach Magdeburg genau weiter?

Ein Streifzug durch Magdeburg

Wir fuhren morgens mit dem Zug von Braunschweig nach Magdeburg, in weniger als einer Stunde erreichten wir die Ottostadt. Unsere erste Station sollte das Kulturhistorische Museum sein, im selben Gebäude befindet sich auch das Museum für Naturkunde. In der aktuellen Sonderausstellung “Gegen Kaiser und Papst – Magdeburg und die Reformation” (bis 28. Januar 2018) bekamen wir eine Führung und einen geschichtlichen Überblick über die Lebenswelt des 16. Jahrhunderts. Wie hat Luther das Leben der Magdeburger Bürger verändert? Welche Auseinandersetzungen um Macht, Glaube und Gerechtigkeit gab es? Da Magdeburg wie Hamburg an der Elbe liegt, ist auch dies eine Hansestadt, geprägt vom Handel und der Schifffahrt war sie mit 30.000 Einwohner eine der größten Städte des sogenannten alten Reiches. Luthers Reformen trafen den Nerv der Zeit. Die Bürger hörten ihm zu, er predigte 1524 mehrfach in Magdeburg und gewann die Stadt für sich – mit verheerenden Folgen für den Kaiser Karl V. Trotz eines Kleinkrieges blieb Magdeburg evangelisch und wurde zum Zufluchtsort lutherischer “Glaubensflüchtlinge”.

#Museum | Kulturhistorisches Museum Magdeburg
#Ausstellung | Gegen Kaiser und Papst. Magdeburg und die Reformation
#bis | 28. Januar 2018

Nach der Führung im Museum wurden wir von Herrn Minkner eingesammelt, er sollte uns in den kommenden Stunden die Stadt per Pedes und Rad näher bringen. Eine fantastische Idee, denn mit dem Rad kommt man noch viel weiter und kann mehr von der Stadt sehen.

Da Magdeburg zweimal komplett zerstört wurde (1631 und 1945) hatte es die Stadt mit Sicherheit nicht leicht und dass es sie überhaupt noch gibt gleicht einem Wunder. Aber diese Stadt gibt es bereits seit 1200 Jahren, Geschichte pur!
Herr Minkner weiß gefühlt alles über Magdeburg und das, wo er selbst gar kein gebürtiger Magdeburger ist! Er hat also die Stadt in sein Herz geschlossen. Ich versuche permanent an meine Erinnerungen anzuknüpfen, aber es gelingt mir nicht und das ist gut so. Wirklich vieles wurde abgerissen, und vieles wurde bereits neu gebaut bzw. wird in der nächsten Zeit noch gebaut. Von Weitem erblickten wir bereits zu Beginn unseres Rundganges den Dom, wir wurden darauf hingewiesen, dass es bald ein Dom-Museum geben wird, dort will man Ergebnisse von Ausgrabungen etc. präsentieren. (Für mich als Museumsjunkie natürlich eine wichtige Information. 🙂 ) Unser Weg führte uns an Sankt Sebastian vorbei hin zum Hundertwasserhaus.

Das Hundertwasserhaus war das letzte Bauwerk von Friedensreich Hundertwasser. Es hat 5500 Quadratmeter Grundfläche für 55 Wohnungen und 23 Geschäfte und Büros, Arztpraxen, Hotel und einer Kita. Dieses Bauwerk wird auch “Die Grüne Zitadelle” genannt. Ein seltsamer Name für ein rosanes Gebäude. Das Bild erklärt es aber ganz gut.

Das Hundertwasserhaus wird auch Grüne Zitadelle genannt. Warum zeigt dieses Bild eindeutig! Überall ist das Gebäude bepflanzt und wird somit zu einer grünen Oase.

In den 90ern verlor Magdeburg über 60.000 Einwohner, dieses Gebäude symbolisierte einen Aufbruch. 2005 wurde es fertiggestellt. Seitdem entwickelt sich die Stadt sehr rasant weiter und ist kaum wiederzuerkennen, mit seinen kleinen Oasen, Parks, wunderschön renovierten Gebäuden, dem Weg an der Elbe, dem neuen chicen Wissenschaftshafen oder dem neuen Gelände, wo 1999 die BUGA stattfand. Heute wird dieses Gelände “Elbauenpark” genannt. Leider waren wir nicht dort, aber es steht auf meiner to-do-Liste für meinen nächsten Besuch.

Das ehemalige Kloster ist das älteste Gebäude in Magdeburg. Es hat während der Kriege nichts abbekommen. Heute beherbergt das Kloster das Kunstmuseum.

Unser Rundgang führte uns vom Hundertwasserhaus zu dem ältesten Gebäude der Stadt, dem Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen. Dieses Kloster hat alle Kriege überstanden und ist ein wahrer Augenschmaus und wird heute als Museum genutzt. (Muss ich auch nächstes Mal besuchen.)
Anschließend ging es weiter zum Dom, es ist die größte Kirche Ostdeutschlands, sie wurde von 1507 bis 1520 gebaut, die neue Orgel gibt es seit 2008. Herr Minkner hat uns mit Informationen zur Geschichte regelrecht erschlagen, sodass ich gar nicht alles wiedergeben kann.

Im Anschluss an den Stadtrundgang ging es in das schöne neue Lokal “Culinaria” (hinter dem Dom an der Elbe gelegen). Nach einem Umbau befindet sich das Restaurant nun in dem Tonnengewölbe der Kasematten und hat gleichzeitig einen Außenbereich geschaffen mit Blick auf die Elbe. Ich aß dort Pappardelle mit Lachs – sehr lecker! Auch die Rinderfiletspitzen der anderen sahen sehr gut aus. Das Restaurant ist wirklich lecker, gut besucht und hat einen tollen Ausblick!

Hinten sieht man die Sternbrücke.

Per Rad durch Magdeburg

Nach der Stärkung erkundeten wir Magdeburg weiter per Rad. Herr Minkner nutzte nun die Gelegenheit eines Headsets, er konnte ununterbrochen erzählen und wir hatten die Aufgabe zu fotografieren, uns Informationen zu merken und mit dem Rad hinterher zukommen.

Ich fasse mal kurz ein paar Fakten zusammen:

  • Luther predigte im Juni 1524 in der Johanniskirche, was man auch schon in der Ausstellung erfuhr.
  • Die Stadthalle wurde 1927 in nur 8 Monaten gebaut. Sie soll jetzt für 65 Millionen saniert werden. (Lohnt sich bestimmt!)
  • Magdeburg spricht man vorne kurz aus! (Wichtig!)
  • Ohne Magdeburg gäbe es keine Vereinigten Staaten (siehe unten Bild von Steuben)
  • Nur weil ein Gebäude eingerüstet ist, heißt es nicht, dass es saniert wird, erst wenn ein Dixi-Klo davor steht, kann man davon ausgehen, dass das Gebäude wieder Instand gesetzt wird.
  • Der Baumeister Bohnsack hat sich selbst im Magdeburger Dom auf witzige Art verewigt.
  • Rayonhäuser konnte man innerhalb eines Tages abbauen, sodass das Feld für einen Angriff vor den Stadtmauern frei war. Von diesen Häusern gibt es heute noch ein paar in Magdeburg, leider habe ich davon keines gesehen. (Steht auch auf meiner Liste für den nächsten Besuch.)

Es waren so unfassbar viele tolle Informationen und ich bin dankbar, dass Herr Minkner für diese Stadt so brennt und zumindest mich in seinen Bann gerissen hat, sodass ich mit Sicherheit Magdeburg nochmal besuchen werde.

Uns wurden die Sommermonate sehr empfohlen, was ich durchaus verstehen kann, denn dann ist es an der Elbe immer schön. Shoppingmöglichkeiten gibt es dort reichlich, man hat große Einkaufszentren gebaut (Platz war ja genug da). 😉
Mir persönlich hat der Wissenschaftshafen sehr gut gefallen, dort würde ich auch das Lokal “Daniels” aufsuchen, bei Sonnenuntergang etwas trinken und die Atmosphäre in dem Industriekpark genießen. (Ein weiterer Punkt auf meiner to-do-Liste.)

Wie Ihr merkt, ich bin völlig überrascht von dieser Stadt, die wirklich rein gar nichts mehr mit meinen Erinnerungen zu tun hat – diese kann ich nun wirklich begraben, denn die Stadt in meinen Erinnerungen gibt es nicht mehr. Stattdessen hat sich in den letzten zehn Jahren Magdeburg in eine Richtung entwickelt mit der ich wohl nie gerechnet hätte.

To-Do-Liste für den nächsten Besuch

  • Kunstmuseum Unser Lieben Frauen
  • Auf ein Getränk ins Daniel’s im Wissenschaftshafen
  • Ein Rayonhaus besichtigen
  • Elbauenpark mit dem Jahrtausendturm besichtigen

 

Weitere Impressionen


Auch an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für die Einladung zur Bloggerreise und die tolle Organisation an Maria Stenzel von der Braunschweig Stadtmarketing GmbH und Karolina Shlyapin von der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH.

Weiter Blogbeiträge meiner Mitreisenden findet ihr hier:

B wie Braunschweig und meine Dosis Reformationsjubiläum (Reisezoom)

Magdeburg V2.0: Mit dem Fahrrad durch die Ottostadt (Reisezoom)

6 Kommentare zu “Von Braunschweig in die #ottostadt

  1. Interessante Fakten, die ich da gelesen habe. Ich war leider noch nicht in Magdeburg, aber vielleicht klappt es ja nächstes Jahr! 😊

    • Es lohnt sich wirklich. Ich war total überrascht, wie sehr sich eine Stadt in verhältnismäßig kurzer Zeit (10 Jahre) verändern kann.
      Wenn Du hinfährst, lass mich wissen, wie Du es fandest! 🙂

  2. Guten Morgen, Wera,
    ich mag Magdeburg besonders und war schon oft dort. Meine Freundinn Conny lebt in der Nähe. Das Hundertwasserhaus habe ich von der Baustelle bis zur Fertigstellung in Schritten erleben dürfen. Es ist ein schöner Ort geworden.
    Das Culinaria kenne ich noch nicht. Durch mein Studium habe ich viel weniger Zeit, nach Magdeburg zu fahren.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

    • Liebe Susanne,
      oh, das war bestimmt spannend, den Bau mitzuerleben! Ich finde Magdeburg hat sich so sehr verändert, man erkennt es gar nicht mehr wieder und kann es nicht mit „damals“ vergleichen.
      Aber das Culinaria kann ich Dir wirklich ans Herz legen, auch wenn es wenig hochpreisig ist – aber SO lecker!!!
      Liebe Grüße
      Wera

      • Liebe Wera,
        ja, Magdeburg hat sich sehr verändert. Ich mag auch das Naturschutzgebiet um den mdr.
        Wenn ich meinen Master fertig habe, dann habe ich wieder mehr Zeit in der Gegend herumzustromern.
        Liebe Grüße von Susanne

  3. Pingback: #KultBlick | Nebensache Kultur? | kultur und kunst

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