#Ausstellungstipp | Karl Schmidt-Rottluff „expressiv, magisch, fremd“

Ein Farbrausch für die Sinne, was bei diesem Wetter einfach nur Balsam für die Seele ist – so würde ich diese Ausstellung beschreiben. Es war mir ein Fest und eine Freude, die vier Wände des Bucerius Kunst Forums zu besuchen und mir die 39 wunderschönen absolut farbintensiven Gemälde anzusehen. Kein Foto, keine Postkarte, kein Poster und kein Post im Internet vermögen diese Farben je wiederzugeben. Die Ölgemälde sind einfach eine Wucht, sie hauen einen regelrecht mit ihrer Intensität um. Diese Farbgewalt wird durch den stets wiederkehrenden Komplementärkontrast in den Gemälden verstärkt.

Welche Motive greift Schmidt-Rottluff in seinen Werken eigentlich auf?

Der Künstler war auch gleichzeitig ein Sammlung, er beherbergt eine ethnografische Sammlung, Objekte kaufte er in Hamburg. Die wunderschöne Hansestadt war damals um 1910 ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aus den deutschen Kolonien. Masken und seltsam anmutende Skulpturen aus Afrika und Ozeanien waren Teil seiner Sammlung und ein immer wiederkehrendes Motiv in seinen Gemälden. Anders als Museen hat Schmidt-Rottluff nur Objekte gekauft, die ihm offenbar gefielen oder interessant waren.

Neben zahlreichen Stilleben gehörten auch Landschaftsansichten zu seinem Oeuvre. Besonders gut hat mir „Monte Palatino, 1930“ gefallen. Dieses Ölgemälde hat mich einfach so in seinen Bann gezogen und ich konnte mich kaum satt sehen.

Karl Schmidt-Rottluff Monte Palatino, 1930 Brücke-Museum Berlin Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Aber auch das letzte Kapitel der Ausstellung „Mond und Stimmung“ gefiel mir ausgesprochen gut. Sie sind sehr romantisch und vermutlich die letzten Ölgemälde, die er gemalt hat. Die kräftigen Farben sind auch hier ein echter Hingucker. Das Bucherius Kunst Forum zieht sogar einen Vergleich mit Caspar David Friedrich bezüglich des romantischen Aspektes. In gewisser Hinsicht muss ich dem wohl zustimmen, aber an diesen Gemälden kann ich mich einfach nicht satt sehen, am liebsten hätte ich dort die nächsten Stunden kampiert und den Blogpost direkt im Museum verfasst, weil es eine so herrliche Hängung war. Es stimmte einfach alles und das ist bei den Räumen, die das Bucerius Kunst Forum nutzt, gar nicht so einfach.

Die Biografie von Karl Schmid-Rottluff in absoluter Kürze:
1884 wurde Karl Friedrich Schmidt als Sohn eines Müllers und seiner Frau in Rottluff geboren. Er gründete 1905 gemeinsam mit Bleyl, Heckel und Kirchner die Künstlergruppe „Brücke“. In diesem Zusammenhang legte er sich den Namenszusatz „Rottluff“ zu. (1906 traten Nolde und Pechstein der Gruppe bei.) Bereits 1913 löst sich die Gruppe wieder auf. Im Krieg ist Schmidt-Rottluff in Russland und Litauen (1915-1918) stationiert. Er heiratete 1919 Emy Frisch. Während des Nationalsozialismus wird seine Kunst als „entartet“ diffamiert, 608 seiner Werke werden aus deutschen Museen entfernt. Er erhält 1941 Berufsverbot und 1943 wird seine Atelierwohnung in Berlin zerstört. Karl Schmidt-Rottluff verstirbt 1976 in Berlin.

Neben dem Gemälde „Monte Palatino“ (1930) hat mich noch „Palmen am Lago Maggiore“ (1954) in seinen Bann gezogen. Es war mir wirklich eine Freude, die Ausstellung zu Besuchen und kann sie schlichtweg weiterempfehlen. Es regnet, schneit und alles ist blöd –> ab in die Ausstellung und Kunst gucken und anschließend einen heißen Kakao trinken und die Welt sieht gleich viel bunter und freundlicher aus. Für mich ist der Expressionismus aufgrund seiner Farben immer wieder Balsam für die Seele. Karl Schmidt-Rottluff gehört zu den Wegbereitern der Klassischen Moderne und des Expressionismus. (Ex-was? Vor nun mehr schon drei Jahren fand die Ausstellung „ImEx“ in Berlin statt, auch dort waren Künstler der klassischen Moderne und des Expressionismus wie Heckel, Kirchner oder Macke zu sehen. In dem damaligen Blogbeitrag erkläre ich auch kurz den Unterschied zwischen Impressionismus und Expressionismus.)

Leider durfte ich in der Ausstellung nicht fotografieren, die Rechte der Objekte sind leider (noch) nicht frei gegeben. Schmidt-Rottluff wurde (zum Glück) recht alt, zum Nachteil seiner Fans, denn die Schutzdauer der Urheberrechte liegt bei 70 Jahren, erst danach werden die Werke gemeinfrei, das bedeutet in diesem Fall, wir müssen noch bis 2046 warten.

#Ausstellung | Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd

#Laufzeit | 27. Januar 2018 – 21. Mai 2018

#Museum | Bucerius Kunst Forum, Hamburg

Ausstellung „Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd“ am 25.01.2018 in Hamburg. Foto: Ulrich Perrey

1 Kommentar zu “#Ausstellungstipp | Karl Schmidt-Rottluff „expressiv, magisch, fremd“

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