Mannheim – eine kunstvolle Quadratur

Durch Mannheim fährt man mit dem Zug durch. Punkt. Es gibt für mich keinen Grund in dieser Stadt auszusteigen. Drei oder Viermal wurde ich dazu verdonnert, in Mannheim umzusteigen. Also kenne ich den Bahnhof und die DB-Lounge sehr gut. Aber wozu den Bahnhof verlassen? Gerüchten zu Folge soll es eine unfassbar häßlich Stadt sein. Eine Arbeiterstadt mit Industrie. Was kann daran schon schön sein?
Die Kunsthalle Mannheim ludt mich ein, den Neubau und die Neugestaltung der Kunsthalle anzusehen. Vom Neubau habe ich bereits im vergangenen Jahr gehört und war sehr fasziniert. Welches Museum schafft es schon bis in die Tagesschau? Umso mehr freute ich mich über diese Einladung und sprang in die Luft.
Nach einigem hin und her entschied ich mich dazu, einen besonders frühen Zug nach Mannheim zu nehmen, um mir noch ein wenig die Stadt anzusehen. Denn ich wollte ihr eine Chance geben. Die Stadt musste ja noch ein wenig mehr haben außer einer Kunsthalle. Gesagt getan. Strahlende Sonne, ein blauer Himmel und ein ausschweifendes Stadtfest empfingen mich. In der Touristeninformation, die direkt gegenüber vom Bahnhof liegt, versorgte ich mich mit einem kleinen Stadtplan, den man eigentlich gar nicht benötigt. 😉
Mannheim ist eine absolute Planstadt auch Quadratstadt genannt (im Vergleich dazu: Karlsruhe ist eine Fächerstadt, auch geplant). Die Straßennamen klingen sehr lustig: D4, F5, J4… Ich kam mir vor wie beim Schiffeversenken. Bei unserem Bloggerevent am Abend fragte ich erstmal die Mannheimer, was es denn so gibt, was man von Mannheim gesehen haben sollte, was man kennen muss und was besonders hübsch ist.

Gemerkt habe ich mir, dass man sich den Wasserturm ansehen sollte, der sich direkt vis a vis von der Kunsthalle Mannheim in Bahnhofsnähe befindet. Der Wasserturm steht mitten auf dem Friedrichsplatz, dieser Platz mit seinen Gebäuden drumherum ist die größte erhaltene Jugendstilanlage Europas und wirklich sehenswert. Der Wasserturm ist wunderschön und im römischen Monumentalstil mit neubarocken Elementen 1886 bis 1889 erbaut.

Ein weiterer Tipp war das Schloss, es ist das größte Barockschloss Deutschlands, das in der Quadratstadt steht. Es befindet sich südwestlich vom Bahnhof und ist gut von dort zu Fuß zu erreichen (oder mit der Straßenbahn). Leider hatte ich keine Zeit mehr, mir die Prunkräume des Schlosses anzusehen. Ansonsten befindet sich im Schloss die Bibliothek der Universität und die Verwaltung.

Gegenüber vom Schloss steht die Jesuitenkirche. Was für eine herrlich kitschige Ausstattung. Ich konnte leider nicht rein, da dort gerade ein Gottesdienst stattfand. Also gibt es nur ein Foto, das ich schnell von außen mit Blick in die Kirche gemacht habe. Direkt neben der Kirche befindet sich der Planquadrat B. Dieser wurde mir ebenfalls empfohlen, da sich dort noch weitere erhaltene Gebäude befinden, die nicht im Krieg zerstört wurden. Leider wurde sehr viel in Mannheim zerstört und nicht immer zum Vorteil wieder neu aufgebaut. Charmant fand ich die Straßenbahn, denn ich ziehe Straßenbahnen Bussen und U-Bahnen vor.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist ab dem 1. Juni 2018 auch die Kunsthalle Mannheim. Denn dann wird das Museum wieder eröffnet. 2012 wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Es gewann das Büro Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg. Der Neubau umfasst insgesamt 7 Kuben und ein riesiges Foyer. Jede Kube hat ein eigenes Thema und/oder stellt Künstler gegenüber. Das Museum lädt ein zu debattieren, sich mit Kunst auseinanderzusetzen und offen zu sein. (Wer böse ist, könnte behaupte, so wie es gerade alle machen. 😉 ) Museen müssen sich öffnen, sie dürfen keine Elfenbeintürme sein. Das Team der Kunsthalle vermittelt alles andere als diesen Eindruck. Es ist bislang das coolste Team, das ich je getroffen habe. Super sympathisch, alle freundlich und auch untereinander scheint die Stimmung zu passen. Das kommt nicht oft vor. Ich hoffe inständig, dass das Kassenpersonal und die Aufsichten ebenfalls so drauf sind, dann kann man sich auf einen perfekten und wunderbaren Museumsbesuch freuen. Denn wer trifft schon den Direktor oder die Restauratorin in der Ausstellung? Das Personal, das direkt auf den Besucher trifft, muss ebenso offen drauf und sehr gut gebrieft sein. (Gibt es wirklich selten in Museen, ich weiß, wovon ich rede, denn ich saß selbst jahrelang an einer Museumskasse.)

Weitere Eindrücke zur Kunsthalle und einen ausführlichen Blogbeitrag findet ihr hier.

Mannheim, die Quadratstadt # – sie hinterlässt ein Glücksgefühl bei mir, nicht nur wegen der Sonne, der seltsamen Mischung an alten und neuen Gebäuden, sondern auch, weil es dort sehr nette Menschen gibt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei einer Person ganz besonders bedanken, die ich im Hotel kennenlernen durfte und die mir unter anderem den Louvre Abu Dhabi ans Herz gelegt hat. Ich hab das Gespräch und den Bericht über den Besuch dort sehr genossen. Ich versuche in den nächsten Jahrzeiten die Ratschläge und Empfehlungen zu beherzigen. Wie gern würde ich jetzt in den nächsten Flieger nach Abu Dhabi steigen. Aber ich glaube, als nächstes steht Hamburg an und vielleicht schaffe ich es bis August noch mal nach Frankfurt ins Liebighaus zu William Kentridge.

2 Kommentare zu “Mannheim – eine kunstvolle Quadratur

  1. AndreasP

    Museen recht und gut, aber Mannheim ist vor allem eine Theaterstadt. Mit dem meier Meinung besten und begeisterungsfähigsten Pulikum in Deutschland. Also: nächstes Mal unbedingt abends in Nationaltheater! 🙂

    • Ach! Das wußte ich gar nicht. Ich werde es mir für den nächsten Besuch merken! Danke!!!

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