#artbookfriday | Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus

100 Jahre Bauhaus – ein Jubiläumsjahr in dem es viele interessante Neuerscheinungen und -auflagen gab. Mich sprach davon noch besonders dieser biografische Roman über Ise Frank, einer Ehefrau von Walter Gropius an.

1923. Ise Frank lebt in München und arbeitet in einem Buchverlag. Ihre Freundin Lise lädt sie nach Hannover ein, um gemeinsam mit ihr einen Vortrag von Walter Gropius zu hören. Rein zufällig helfen die beiden Frauen Gropius nach dem Vortrag der Menge an fragenden Studenten zu entkommen und sie fahren gemeinsam ins Stadtzentrum, wo sie sich in einem Café näher kennenlernen.

Einige Wochen später sucht Gropius Ise an ihrem Arbeitsplatz im Verlag in München auf. Er ist speziell wegen ihr aus Weimar nach München gekommen, um sie zu treffen. Sie verstehen sich wieder auf Anhieb und im Gespräch sagt er ihr, dass er bankrott sei, da das Land Thüringen aus politischen Gründen die Gelder für das Bauhaus und die geplante Ausstellung gestrichen haben. Ise sagt ihm ihre Hilfe zu.

Auf Einladung von Gropius fährt Ise zur Bauhaus-Ausstellung nach Weimar. Sie soll dort einen Bericht für die Verlagszeitung und für die Münchner Zeitung „Neueste Nachrichten“ schreiben. Als Fotograf wird ihr ein Bauhaus-Schüler von Paul Klee zur Seite gestellt. Auf der Zugfahrt lernt sie die Fotografin Irene Hecht kennen, auch auf dem Weg zur Ausstellung. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb, es ist der Anfang einer langen Freundschaft.

Ise lässt sich voll und ganz auf das Projekt Bauhaus ein und durchwandert und vertieft sich in die gesamte Ausstellung. Sie besucht alle Werkstätten und erhält Einblick in die Idee, die hinter dem Begriff Bauhaus steht.

Sie lässt sich auch auf Gropius ein und als er um ihre Hand anhält, stimmt sie zu. Sie kündigt ihren Job im Verlag und konzentriert sich voll und ganz auf das Bauhaus-Projekt. Sie wird dabei neben Gropius zum Mittelpunkt im und am Bauhaus. Da das Bauhaus in Weimar nichts mehr zu erwarten hat, sucht man nach einem anderen Ort, wo es sich ansiedeln kann. Ise bekommt durch eine Freundin ein Ansiedlungsangebot für die Stadt Köln und wird dafür vom Bauhaus gefeiert. Gropius und einige der Meister zieht es allerdings mehr nach Berlin. Im November 1924 unterzeichnen Ise und Gropius den Ansiedlungsvertrag für das Bauhaus in Dessau, einer aufstrebenden Industriestadt. Es soll dort ein neues Bauhaus gebaut werden und vier Meisterhäuser. Es soll als Campus nach amerikanischen Vorbild entstehen und damit die fortschrittlichste Lehranstalt in Deutschland werden. Es bekommt auch den Titel Hochschule von der anhaltinischen Landesregierung.

Das Meisterhaus für Ise und Gropius wird gebaut als Ise schwanger ist. Da trifft sie ein schwerer Schicksalsschlag. Sie hat eine Frühgeburt und es geht ihr sehr schlecht. Sie muss Wochen im Krankenhaus bleiben.

 Als es ihr besser geht, wird sie freudig wieder am Bauhaus empfangen. Es weht ein neuer frischer Wind am Bauhaus.

Pfingsten 1926 ist das erste Meisterhaus fertig und es kommen viele Besucher, um sich die modernen Errungenschaften im Haus anzusehen. Ende 1926 wird das Bauhaus-Gebäude feierlich eröffnet. Ise nimmt sich wieder mehr Zeit für sich und schreibt eine Serie über die Innengestaltung des Meisterhauses.

Die politische Lage in Deutschland wird immer unangenehmer. Die NSDAP ist zurückgekehrt. Und schon 1927 eröffnet der Dessauer Bürgermeister ihnen, dass ab Frühjahr 1928 keine Gehalts- und Betriebskosten mehr für die Hochschule übernommen werden können und der Betrieb eingestellt wird.

Jana Revedin hat eine sehr interessante Person ausgewählt aus dem Kreis der wirklich vielen wichtigen und interessanten Personen des Bauhauses. Eine Frau, die nichts mit Architektur oder den Werkstattarbeiten des Bauhauses zu tun hat, sich aber aus Interesse total von diesem Projekt hat einnehmen lassen und dafür eingesetzt hat. Aus meiner Sicht ein absolut empfehlenswerter Roman, der die Biografie Ise Franks sehr gut darstellt, aber natürlich auch die Geschichte des Bauhauses in der Zeit von 1923 bis 1928.

Text/Bilder: Cornelia Wecker

#Titel | Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank

#Autoren | Jana Revedin

#Verlag | Dumont

#Sprache | Deutsch

#ISBN |  978-3-8321-8354-7

#Seiten | 304

#veröffentlicht | 12. November 2018

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