Ausstellung | #MaxBeckmann #Welttheater

Vorletzte Woche hatte ich die Möglichkeit, mir im Museum Barberini die Ausstellung von Max Beckmann “Welttheater” anzusehen. Es war wirklich ein großes (Welt-)Theater. Denn es waren Blogger und zahlreiche Instagramer da, um die Schau des Welttheaters zu sehen, zu bestaunen und irgendwie fotografisch in Szene zu setzen (ohne VG Kunst in die Quere zu kommen).

Die Ausstellung thematisiert nicht das frühere Werk Beckmanns, das lernen wir sehr schnell in der Führung zur Sonderausstellung „Welttheater“ des bekannten Künstlers Max Beckmann. Es dreht sich um die Verarbeitung der Kriegserlebnisse nach dem 1. WK, um das politische Geschehen und das damit verbundene Welttheater. „Durch seine Professur an der Städelschule ab 1929 und die Verkäufe seiner Bilder in Berlin, Paris und New York avanciert Beckmann in den folgenden Jahren zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Maler seiner Zeit“, heißt es auf der Homepage vom Museum Barberini. Während des Nationalsozialismus werden seine Werke als „entartet“ diffamiert.

Was bedeutet „Entartete Kunst“?
Dieser Begriff ist mir schon so oft in der Kunst über den Weg gelaufen und ich habe auch eine Vorstellung davon, was er bedeutet, aber ich möchte an dieser Stelle noch mal eine kleine Definition für mich festhalten. Zum einen bezieht sich dieser Begriff auf die Zeit des Nationalsozialismus, Kunst die nicht zum Schönheitsideal des Regimes passte, wurde als „entartet“ bezeichnet. Der Begriff „entartet“ kommt aus der Medizin und wurde auf die Kunst übertragen. Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus – all diese Richtungen und Kunst von jüdischen Künstlern wurden als „entartet“ diffamiert. Neben „entarteter“ Kunst gab es auch „entartete“ Musik (Swing oder Jazz gehörten insbesondere dazu). Weitere Sparten, die diese Diffamierung betraf, waren Literatur, Filmkunst, Theater oder Architektur. Mein Kunstlexikon von Robert Cumming sagt zu diesem Thema: “Für die Ideologen des Nationalsozialismus war jegliche Kunst, die nicht mit ihrem Ideal der handwerklich ordentlichen Darstellung von Helden oder behaglichen Genreszenen übereinstimmte, “Verfallskunst”, das Produkt degenerierter, verderbter Subjekte.”

Beckmann ist nicht einfach. Seine Werke fordern den Betrachter heraus und auch mich. 112 Leihgaben hat das Museum Barberini für diese Ausstellung zusammengetragen und es liest sich wie das who is who. Selten zu sehende Objekte wie das Schauspieler-Triptychon, das normalerweise in den USA zu sehen ist, bilden die Kernobjekte der Ausstellung. Tanz, Varieté oder Zirkusdarbietungen waren bei vielen Künstlern sehr beliebt, ich musste sofort an August Mackes Seiltänzerin denken oder an Emil Nolde, der ebenfalls dieses Thema aufgriff. Mich persönlich haben die wunderschönen Bronzeskulpturen überrascht, von denen acht Stück in der Ausstellung zu sehen sind.

1933 wurde Beckmann „gekündigt“, er war Professor an der Frankfurter Städelschule. Er wurde 1937 als “entartet” diffamiert und flüchtete noch im selben Jahr ins Exil nach Amsterdam.
In seinen Werken versucht Beckmann das Weltgeschehen zu verarbeiten und greift auf das Motiv des Theaters und der Bühne zurück, der Zirkus bietet ihm eine Vorlage, das Leben vielleicht zu verstehen oder sich damit auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang stellen sich unter anderem folgende Fragen:

Beckmann wird in der Literatur als einzigartig bezeichnet, er lässt sich nicht wirklich vergleichen (ich wüßte ad hoc auch niemanden mit dem ich den Vergleich antreten könnte). Sein Stil fällt ins Auge und hat einen hohen Wiedererkennungswert, ein starker Ausdruck geht mit seinen Gemälde einher. Dies mag zum einen an seiner Technik und der Pinselführung liegen, zum anderen an den intensiven Farben. Für mich persönlich ist Beckmann geschichtlich gesehen sehr interessant, seine Gemälde stellen definitiv eine Herausforderung für mich dar und spontan gefiel mir nur ein Objekt in der Ausstellung, wo ich gesagt hätte: das hänge ich mir auf. Aber darum geht es bei Beckmann vielleicht auch gerade nicht. Sein Werk erinnert an eine düstere Zeit in unserer Geschichte und so würde ich mir lieber eine Skulptur von ihm ins Wohnzimmer stellen und diese mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. ?

Neben der Führung durch die Ausstellung und der Vorstellung der Museumsapp, die ich wirklich mag und als einzige Museumsapp auf meinem Mobilgerät habe, war es ein wunderbares „Klassentreffen“, es hat mich so sehr gefreut, einige sehr liebgewonnen Social Media Menschen in Persona wiederzusehen und neue kennenzulernen.

#museum | Museum Barberini

#Ausstellung | Max Beckmann. Welttheater

#bis | 10. Juni 2018

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retrospektiven

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