SPIEL 2026

Die SPIEL ist die weltweit größte Spielemesse. Überraschung – diese Messe findet in Deutschland statt. Das Land der Dichter und Denker. Ha! Nun, vielleicht denken wir hier doch (noch). 😉 Jährlich werden weltweit über 1000 neue Spiele herausgebracht, was für eine Menge. Und ausgerechnet in Essen fanden in diesem Jahr 230.000 Menschen an vier Tagen zusammen und haben einfach gespielt. Allein diese Vorstellung begeistert mich. Auf der Messe werden unzählige Neuheiten vorgestellt, man kann sie alle testen und anspielen (oder auch durchspielen). In der wirklich guten App der SPIEL sind alle Neuheiten im Vorfeld gelistet und man kann schon lesen und gucken, was einen in Essen erwartet.

Neben dieser unfassbar großen Messe, die dieses Jahr wirklich an ihre Grenzen mit 8 Hallen gekommen ist, wurde dort der Deutsche Spielepreis verliehen. Im Gegensatz zum Spiel des Jahres, der zweite wichtige Preis in Deutschland in dieser Branche, entscheidet hier das Publikum. Jeder von uns kann für sein Lieblingsspiel abstimmen. (Beim Spiel des Jahres gibt es eine Jury, die all die Spiele ein Jahr lang testen muss, dann verkündet sie die Sieger.) In diesem Jahr wurde auf der Messe also wieder der Deutsche Spielepreis verliehen und ganz ehrlich, ich messe diesem Preis irgendwie mittlerweile mehr Gewicht bei, weil es eher meinen Geschmack trifft. Vermutlich, weil ich so viele Spiele kennenlernen durfte und mich diese Spiele mehr ansprechen. In diesem Jahr landeten folgenden Spiele auf dem Siegertreppchen:



Beim Deutschen Spielepreis wird ebenfalls das beste Kinderspiel ausgezeichnet. Das Kinderspiel habe ich noch nicht getestet, habe es mir aber fest vorgenommen.


Toriki, Mirakulus, von Wojciech Grajkowski, SPIEL Essen 2026 @SPIEL Essen/Lars Heidrich

Persönlich freue ich mich natürlich sehr für Mathias Wigge, dass er erneut mit seinem zweiten Spiel direkt zum zweiten Mal diesen Preis gewonnen hat. Ich mag ArtenGarten sehr und habe mich richtig doll für Mathias gefreut, vielleicht weil es sich wie ein kleiner Heimsieg für Lippstadt anfühlt. 😉


Die Gewinner des Deutschen Spielepreises 2026. SPIEL Essen 2026 @SPIEL Essen/Lars Heidrich

230.000 Menschen! Diese Zahl ist verrückt, denn die Menschen kommen wirklich aus allen Ländern dieser Welt zu uns nach Essen. Um das mal in Relation zu setzen für ein besseren Verständnis, die UK Games Expo, Englands größte Brettspielmesse, besuchten ca. 87.000 Menschen. Die GenCon in den USA besuchten 72.000 Menschen. Auf allen Messen sind Besucherrekorde zu verzeichnen. Aber Deutschland ist schon wirklich führend. In diesem Jahr kam nicht nur die letzte Halle hinzu (somit konnten mehr Tickets in den Verkauf gehen), sondern alle vier Tagen waren komplett ausverkauft. Ist das nicht verrückt?



Für Menschen, die keine großen Menschenmengen vertragen oder eine krasse Lautstärke verarbeiten können, die sollten auf kleinere Messen ausweichen. Auch ich käme nicht unbedingt auf die Idee, kleine Kinder mitzunehmen, aber möglich ist es. Denn die Verlage, die Kinderspiele herausbringen, stellen sich selbstverständlich auf das jüngere Publikum ein. Das bedeutet, dort gibt es dann kleine Tische und Stühle. Es sah zum Beispiel bei dem Verlag Game Factory absolut bezaubernd aus.


Kleine Tische und Stühle im Spielebereich bei dem Verlag Game Factory.

Bislang habe ich die jüngeren Mitspielenden auf die Spielemesse Hamburg mitgenommen. Das ist eine gute Alternative zu Beginn, um Kindern Messen nahe zu bringen. (An dieser Stelle sei nämlich angemerkt, dass der Rückweg am zweiten Tag in Essen an der U-Bahnstation die Hölle war. Ein Kind wurde schon sehr doll zwischen Bahn und Menschenmenge „eingezwängt“. Das war nicht schön anzusehen. Von den Verstärker-Zügen hat man leider an der Haltestelle „U-Bahnhof Messe West/Süd/Gruga“ nichts gemerkt. Man sollte meinen, um 19.30 Uhr würden dort die Bahnen im Sekundentakt abfahren, wenn die Messe um 19 Uhr endet. Leider war dem nicht so. Zwei Bahnen standen dort um 19.15 Uhr. Diese waren pickepacke voll, dann war über 15 Minuten keine einzige Bahn in Sichtweite. Wir ließen uns durchregnen, denn die Haltestelle scheint nur partiell überdacht zu sein. In Summe standen wir wohl über 30 – 45 Minuten an der Haltestelle, um irgendwie zum Hauptbahnhof zu kommen. Aber das ist der ÖPNV in Deutschland, das können wir einfach nicht. 😉) Aber wie gut, dass wir Brettspiele können.

Spiele & Museum = ?

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was haben eigentlich Spiele und Museum miteinander zu tun. Auf den ersten Blick gar nichts. Es sind zwei völlig verrückte Welten. Aber just in dem Moment, wo ich Halle 4 mit der großen Bühne betrat, standen dort zwei Kolleg*innen vom Ziegelei Lage auf der Bühne. Dort präsentierte der liebe Michael, Geschäftsführer von Playing History, den ich gefühlt schon so lange aus der Museumswelt kenne, ein spielerisches Vermittlungsformat. Denn Bildung/Vermittlung und Spiel gehören ganz eng zusammen. Je mehr man etwas verspielt vermittelt, umso leichter fällt es einem manchmal, Dinge zu lernen, einfach, weil es Spaß macht!



Der Wahnsinn

Zwei Tage war ich in Essen auf der SPIEL. Zwei Tage Wahnsinn und Staunen. Und habe ich vor lauter staunen und ahs und ohs überhaupt gespielt? Meine charmante Begleiterin würde vielleicht sagen: Wir haben zu wenig gespielt. Denn ich habe sie am ersten Tag „gezwungen“ mit mir einmal durch alle Hallen zu schlendern. Ich liebe es, sich dort einfach nur treiben zu lassen und zu staunen.

Aber letztendlich haben wir doch ein paar Spiele gespielt, ob diese Liste vollständig ist, kann ich gar nicht sagen. Aber ich vermute es.

  • FUGU (Helvetiq)
  • Quando (Kendi Games)
  • Mountain Goats Saga (Ostia Spiele)
  • Spooky Bar (Edition Spielwiese)
  • Tornado Splash (MM-Spiele)
  • Viva Catrina (HUCH!)
  • ArschMallows XXL (Denkriesen)
  • Dito (Game Factory)
  • Spy Guy Europa (trefl)
  • Pili Pili (ATM)
  • Sixto (Kendi Games)
  • Sneaky (Kendi Games)
  • Splitter 2 (NSV)
  • Lightning City Tokyo (NSV)
  • Yubibo (Edition Spielwiese)
  • Bluff (Amigo)
  • Happy Double (Denkriesen)

Ganze 17 Spiele haben wir geschafft zu spielen, meines Wissens. Es kommt mir so unfassbar wenig vor, aber man muss an einigen Tischen warten, insbesondere die, die heiß begehrt sind. In dieser Zeit versucht man schon mal so halb das Spiel zu verstehen. Außerdem muss man einfach gucken, gucken und gucken – und natürlich kaufen. Im vergangenen Jahr wurde ich etwas schief von meiner Familie angeschaut, weil ich mit einer großen Tasche gefüllt mit Spielen zurückkam. In diesem Jahr sah es völlig anders bei mir aus. Denn ich habe es leider nicht geschafft, alle Stände abzulaufen, zu denen ich hin wollte. Stattdessen habe ich den Fokus mehr aufs Spielen gelegt. Das macht mich etwas traurig, gleichzeitig hat es meinen Geldbeutel unglaublich geschont und ich konnte mehr spielen! (Vermutlich sollte nächstes Jahr drei Tage hingehen… 😉 Logisch, oder?)


SPIEL Essen 2026 @SPIEL Essen/Lars Heidrich

Aber auf der Messe gab es einen Stand von einem amerikanischen Verlag, da habe ich mir einen langgehegten Wunsch erfüllt. Somit habe ich lediglich ein größeres Brettspiel gekauft, zwei kleinere Spiele (ein Würfel- und ein Kartenspiel), eine Erweiterung für eins meiner Lieblingsspiele und ein Kinderspiel für die Lieben fanden den Weg in meinem Rucksack (und ein paar Geschenke für andere Kinder, die ich dort für die kommenden Kindergeburtstage besorgt habe).

Brettspiele kosten Geld. Mittlerweile kosten gute große Brettspiele ab 40 Euro aufwärts. Bei einigen Spielen haben wir wirklich gestaunt. Ein Kartenspiel hat uns ein wenig irritiert, dass doch sehr hochpreisig mit 30 Euro angesetzt war. Natürlich war das Spiel absolut brilliant, aber ich habe gezögert. Vielleicht wünsche ich es mir noch zu Weihnachten, aber insgesamt sind die Preise, wie in allen Branchen, deutlich gestiegen. Mich würde an dieser Stelle auch mal der Umsatz der gesamten Messe und der Verlage interessieren. Es gibt nicht viele Menschen, die dort nichts kaufen.

Persönliches Highlight

Meine persönlichen Highlights sind Spieleautor*innen zu treffen. Im vergangen Jahr habe ich mich mit Mathias Wigge unterhalten dürfen. In diesem Jahr habe ich Thomas Franken kennengelernt. An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank in die Welt für diesen Zufall an eine „alte“ Freundin. 🩷​

Thomas Franken hat das Spiel „The Dawn of Pangea“ entwickelt. Dieses Spiel kann sowohl kompetitiv, kooperativ oder im Solomodus gespielt werden. Es dauert ca. 40 – 80 Minuten. Ich verorte es mal in der Rubrik Kennerspiel, auch wenn man es in einem leichteren Modus zum Einstieg spielen kann. Die Altersempfehlung lautet ab ca. 10 Jahren. Ich habe es schon bei dem ein oder anderen Instagramer auf dem Spieletisch gesehen und fand es toll. Nun habe ich selbst das Material auf der Messe angefasst und es fühlt sich richtig, richtig gut an. Ich hab schon lange nicht mehr so schönes Holzmaterial gesehen.



„The Dawn of Pangaea ist ein thematisches, mittelschweres Strategiespiel für 1 bis 4 Spieler, das in der uralten Welt von Pangaea spielt. Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle der ersten Waldgeister, pflanzt Bäume, führt Rituale durch und bringt die ersten Lebewesen in die Welt. 🌱🌿 Die fantastischen Illustrationen und sorgfältig gefertigten Holzkomponenten entführen euch auf eine magische Reise voller Rivalität und Harmonie. Erweitert euren Wald, besteigt den heiligen Berg – und erlangt den hohen Segen von Gaia! 🌟“

Ich hoffe, dass ich dieses Spiel – irgendwann – noch mal spielen werde! Aber ich würde vermutlich mit dem ersten Teil „Forests of Pangaia“ starten.

Ausblick

Es ist eine Messe, die wirklich jedes Alter und jeden Menschentyp begeistert, weil es dort für jeden Menschen das passende Spiel gibt. Einfache Würfelspiele, leichte Kartespiele oder hochkomplexe Strategiespiele an denen man sich stundenlang abarbeiten kann. Es gibt gefühlt nichts, was es nicht gibt. Natürlich gibt es dort auch Kunst mit der Artist Gallery, in diesem Jahr war ein Illustrator Botschafter der Messe. Aber ebenso könnte man sich den ganzen Tag in die Halle 4 setzen und den Talks lauschen. Und wer es nicht auf die Messe schafft, aber zufällig in Essen wohnt, für diejenigen hat das Messeteam dieses Jahr erstmalig im Vorfeld das Konzept „Essen spielt!“ ins Leben gerufen. Es ist ein Partnerprogramm und im Vorfeld konnte man sich für ziemlich coole Locations bewerben und dort spielen (22. Etage im Rathaus Essen, Schürerstand im Red Dot Design Museum oder auf dem Schiff der Weißen Flotte Baldeney. Auch im kommenden Jahr soll dieses Konzept weitergedacht werden. Ich feiere es jetzt schon und bin fast ein wenig traurig, nicht in Essen zu wohnen.

SAVE THE DATE: Vom 21. – 24. Oktober 2027 heißt es wieder SPIEL Essen 2027!


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