Warm up mit Herbert Grönemeyer

Endlich – nach 4 Jahren steht Herbert Grönemeyer wieder mit seiner Band auf der Bühne, bei einem Warm up, in Clubatmosphäre, im Pier 2 in Bremen. Es ist mein Wiedersehen mit Grönemeyer nach 16 Jahren. Mein letztes Konzert war 2007 auf der „12 Tour“ auf Schalke. Damals dachte ich: WOW, so ein Konzert kann nicht getoppt werden, wenn 30.000 Menschen die Lieder von Grönemeyer inbrünstig mitsingen. Spätestens beim Steigerlied war ich völlig aus dem Häuschen und total verblüfft. Wie sehr man sich doch täuschen kann…


Ich kam 19.59 Uhr am Pier 2 in Bremen an, wo ich zuletzt vor vermutlich 8 Jahren MIA gesehen und gehört habe. Pünktlich um 20 Uhr stand Herbert Grönemeyer plötzlich auf der Bühne, ohne Schnörkle und Gedöns (heißt ohne Vorband, ohne Ankündigung, ohne irgendwas). Er war einfach da und legte mit seiner Band los. Mit „Was ist los“ machte er einen phänomenalen und offenbar nicht textsicheren Auftakt, wie er selbst zugab, dem Publikum ist es nicht wirklich aufgefallen. Es war charmant, es war ehrlich und das schätzt man an diesem Mann und Ausnahmekünstler. Ausnahme? Ja, man könnte auch sagen, er hat absolute Narrenfreiheit auf der Bühne und darum ist es umso kurzweiliger, dass er nach einem guten Konzert strebt, dass sitzt. Dabei sind gerade diese kleinen Patzer und Fehler das schöne, das menschliche, die ein Konzert unvergesslich werden lassen. (So kann ich mich noch an den Regen auf Schalke erinnern, das Dach im Stadion war auf, die Bühne von Grönemeyer wurde nass, er rutschte aus und mitten im Song rutschte ihm ein „Sch***“ raus – und er sang anschließend einfach weiter – Profi.) Er könnte genauso gut auf der Bühne stehen und irgendwelche Geräusche machen – so wie er manchmal jauchzt und jubelt, würde es gefühlt dem Publikum auch reichen. ;D

Es war Grönemeyer, der bei vielen Menschen im Publikum an diesem Abend für Tränen sorgte, auch bei mir, er bewies Humor und Spontanität, er begeisterte das Publikum und riß es mit. Dieser kleine Club (max. 1500 Personen) war der perfekt Ort für ein Warm up. Denn Bremen verzeiht. Das tut es, es verzeiht und feiert einen großartigen Künstler! Ich war zu beginn skeptisch, wird Bremen so textsicher sein wie Schalke? Und SCHEIßE verdammt noch mal – JA! Bremen hat gerockt, jedes verdammte Lied wurde mitgesungen, mitgelitten, mitgefeiert und mitgerockt. Bei Vollmond kam selbst ich kurz ins Schlingern, aber nicht Bremen!

Und spätestens bei „Zeit, dass sich was dreht“ gab es kein halten mehr. Und das Publikum hörte einfach nicht auf. Das Lied war eigentlich schon längst zu Ende, aber das Publikum sang weiter und weiter und weiter – es wirkte, als wäre auch kurz die Band aus dem Konzept geworfen worden. Das Publikum entwickelte eine absolute Eigendynamik. Es feierte Grönemeyer, dass er wieder da war! Und Grönemeyer wirkte wie ein überglücklicher Musiker, der alles in sich aufgesaugt hat, der den Jubel von Herzen genoss und dankbar war, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Es war eine fantastische Symbiose, wie man sie nur selten erlebt und man merkte richtig, wie er sich hat mitreißen lassen. Er gab alles und hat alles an uns ausprobiert. Vielleicht waren wir auch das schlechteste Publikum aller Zeiten, weil wir einfach alles abgefeiert haben. Aber er wird bestimmt nicht alles auf der Tour spielen. Bei einem Song fragte er uns auch ganz offen, wie wir es fanden. Die Antwort war eher so „la la“.

Nach 1 Stunde 45 Minuten verschwand er von der Bühne und das Publikum begann sofort nach Zugabe zu rufen. Mit einem frischen T-Shirt und Hemd am Start, ging es weiter. Zugabe um Zugabe sang sich das Publikum warm und holte Grönemeyer unter anderem mit „oh wie ist das schön“ immer wieder zurück auf die Bühne. Überhaupt – die Bremer waren sehr singfreudig. Es wurde alles mitgesungen, weitergesungen und im hinteren Bereich nutzten einige auch den Platz für ein Tänzchen.

Spätestens bei „Mambo“ ging auch mein Herz auf. Ich machte ein Video davon und zeigte es später meinem Kind, welches total begeistert war. Denn immer wenn wir mal einen Parkplatz suchen, singe ich das Lied im Auto vor mich hin. Mittlerweile kann dieses Lied jeder bei uns. ;D Da sind wir auch beim Altersdurchschnitt, ich dachte ja, das Publikum wäre mal locker Ü 40 und älter. Ja, ne, weit gefehlt. Ich kam mir zwischendurch recht alt vor.

Nach 4 (!!!) Zugaben und 3 Stunden (!!!) war sowohl Grönemeyer als auch das Publikum durchgerockt. Ein Kommentar eines anderen Konzertbesuchers ließ mich schmunzelnd zurück: Tja, schade, dass kein Saxophon dabei war. Dies ist der einzige Punkt, dem ich sofort zugestimmt habe. Das war mir nämlich auch vom letzten Konzert bleibend in Erinnerung geblieben. Ich liebe dieses Instrument. Und ich habe es damals als wunderschön empfunden, es live zu hören. Darum höre ich auch gern Jazz, weil ich das Saxophon liebe. Nun denn, das tat diesem Konzert keinen Abbruch, aber es war ein Hauch Wehmut.

180 Minuten Grönemeyer pur und Dialogen wie:
Jemand aus dem Publikum: HERBERT?
Herbert: JA?

Hatte man das Gefühl, Herbert Grönemeyer nahm sein Publikum wirklich wahr. Ich fühlte mich wie in einem Probenraum

Glückselig schwang ich mich in die nächste Straßenbahn, fuhr zum Bahnhof, lief tausend Helene Fischer Fans in die Arme, die offenbar auch an diesem Abend in Bremen in der Arena ein Konzert gab, setzte mich in den nächsten Metronom gen Hamburg und bekam mein Dauergrinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Es war eine richtig gute Entscheidung, 5 Tage vorher kurzfristig doch ein Ticket zu kaufen – und dann auch noch in Bremen, in meiner alten Heimat, die verzeiht, dass ich sie verlassen habe, einen aber immer wieder charmant begrüßt.

Nun habe ich Grönemeyer im Ohr und im Kopf und werde mich wieder lange Zeit an diesem wirklich intimen Konzert laben. Danke!


Tourdaten im Überblick:

12. Mai 2023 – Bremen – Pier2
16. Mai 2023 – Kiel – Wunderino Arena
18. Mai 2023 – Hamburg – Barclays Arena
19. Mai 2023 – Dortmund – Westfalenhalle – AUSVERKAUFT
21. Mai 2023 – Berlin – Mercedes-Benz Arena
22. Mai 2023 – Hannover – ZAG Arena
24. Mai 2023 – Wien – Wiener Stadthalle Halle D
25. Mai 2023 – München – Olympiahalle
27. Mai 2023 – Köln – Lanxess Arena – AUSVERKAUFT
28. Mai 2023 – Mannheim – SAP Arena
30. Mai 2023 – Stuttgart – Hanns-Martin-Schleyer-Halle
31. Mai 2023 – Zürich – Hallenstadion
2. Juni 2023 – Frankfurt am Main – Deutsche Bank Park
3. Juni 2023 – Leipzig – Red Bull Arena
5. Juni 2023 – Berlin – Waldbühne – AUSVERKAUFT
6. Juni 2023 – Berlin – Waldbühne – ZUSATZTERMIN
9. Juni 2023 – Gelsenkirchen – VELTINS-Arena


Die gesamte Setliste des Abends ist hier zu finden, es waren wirklich verdammt viele Songs von elf Alben.

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