Was ist eine Blockbuster-Ausstellung?

Blockbuster. Eindeutig. Aber warum heißen einige Ausstellungen eigentlich Blockbuster-Ausstellungen? Was hat es mit dieser Begrifflichkeit auf sich? Diese englische Bezeichnung für Kassenschlager oder auch Kino-Hit sagt schon fast alles. Sogenannte Blockbuster-Ausstellungen gibt es hin und wieder noch in Deutschland (sie waren mal deutlich häufiger vertreten). Dabei setzt man auf den Mainstream, auf Themen, wo man weiß, dass sie funktionieren werden und wo man sich relativ sicher sein kann, dass die Ausstellung ausverkauft ist/sein wird.

Ist „ausverkauft“ im Museum überhaupt möglich? Ja, das ist es. Um es mal ganz technisch runterzubrechen, Museen haben Gebäudeflächen, darauf dürfen sich eine bestimmte Anzahl an Menschen aufhalten. Zudem ist es noch schön, wenn man etwas Platz zum Gehen, Atmen und vielleicht auch zum Gucken hat. 😉 Dies zeichnet zumindest eine gute Organisation von Ausstellungen aus, dass man trotz Massen die Kunstwerke noch sehen kann. Um einen Massenandrang zu bestimmten Uhrzeiten zu vermeiden, werden Tickets zu bestimmten Zeit-Slots vergeben. So entzerren sich schlicht die Besuchermassen. Auch einzelne Objekte können streng reguliert sein (Personenanzahl + Aufenthaltsdauer), so war es zum Beispiel bei der Yayoi Kusama Ausstellung in Köln. Einige Objekte durften nur für eine bestimmte Zeit betreten werden und mussten dann für die nächsten Besuchenden wieder frei gemacht werden.

Blockbuster-Ausstellungen, Großevents, Kommerzialisierung? Natürlich, einerseits träumen Museen von Besuchermassen. Auch Museen müssen mit einem gewissen Einkommen kalkulieren, auch wenn sie staatlich sind. Und ist Kommerzialisierung im Museumsbereich wirklich schlimm? Tragisch? Oder schlicht verpönt? Huch, da könnten vielleicht die Massen den Munch, den Caspar David Friedrich oder wie mir jemand so schön sagte „die Japanerin“ (Yayoi Kusama) vielleicht doch kennenlernen. Vielleicht brennen sich auch auf diese Art mehr Künstlerinnen in die Köpfe der Menschen ein. Wäre es so schlimm? Wäre es so verwerflich, wenn alle plötzlich diese Japanerin kennen würden? Ja, sie macht eindrucksvolle Kunst, ja sie ist auch noch instagrammable – bevor es Instagram ab. Überraschung!

Ich persönlich habe nichts gegen die sogenannten Blockbuster-Ausstellungen (wenn die Organisation einer großen Ausstellung für den Besuchenden reibungslos läuft), zumal auch ich damals nach Berlin gefahren bin, um die MoMa Ausstellung (2004) zu sehen oder zufällig die Olafur Eliasson Ausstellung im Gropius Bau (2010) besuchen durfte, weil mich eine Freundin reingezerrt hat, der auf ewig dankbar dafür bin. Aber mich müssen die Objekte überzeugen und ich freue mich bis heute, dass ich zum Beispiel die (eine!) Installation „resonate“ in Karlsruhe im ZKM gesehen habe. Ja, ich bin nur für dieses eine Objekt dorthin gefahren und ich wusste, dass es mich begeistern würde! (Was es auch tat.) Ich zehre noch heute von einigen Objekten und denke darüber nach, wie toll die waren, wie gern ich das ein oder andere vielleicht noch mal sehen würde…

Es müssen also gar nicht immer die großen Ausstellungen sein, wenn die Objekte toll sind, die Story mich anspricht oder das Kunstwerk mich in seinen Bann zieht. In erster Linie rede ich hier von Kunst, es gibt natürlich Museen ganz unterschiedlicher Art, Naturkundemuseen arbeiten mit ganz anderen Objekten als Freilichtmuseen, Archäologiemuseen haben wieder andere Objekte als historische Museen. Jede Art von Museum funktioniert anders, aber bei dem Thema Blockbuster-Ausstellungen befindet man sich auf dem Themengebiet der Kunstmuseen, wobei ich immer noch darauf warte, dass mich ein anderes Museum mal mit einer grandiosen Ausstellungsgestaltung überrascht und auf ihre Art und Weise eine Blockbuster-Ausstellung kreiiert.


Louvre, vor der Mona Lisa (Leonardo da Vinci) mit noch halbwegs entspannten Verhältnissen und Besuchermengen. Foto: Wera Wecker, 2015

Weitere Artikel zum Thema Blockbuster-Ausstellungen

Go Big or Go Home: How Blockbuster Exhibitions Are Saving Museums, by Rebecca Carlsson, January 26 2024

Zukunft der Museen: Sündenfall Blockbuster-Ausstellung? von Stella Rollig, 24.2.2021

„Blockbuster“-Ausstellungen von Volkhard App, 18.07.2006

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